GLP-1-Agonisten 2026: Ozempic, Tirzepatid & Retatrutide

GLP-1-Agonisten 2026: Ozempic, Tirzepatid & Retatrutide

 

TL;DR: GLP-1-Agonisten wie Semaglutid (Ozempic/Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound) und der kommende Triple-Agonist Retatrutide verändern die Adipositas-Therapie grundlegend – mit Gewichtsreduktionen von 15–29 % in klinischen Studien. Doch sie sind keine Wundermittel: Muskelverlust, gastrointestinale Nebenwirkungen und Rebound-Effekte nach dem Absetzen sind reale Risiken. Dieser Artikel ordnet die Studienlage 2025/2026 wissenschaftlich ein, vergleicht GLP-1 mit klassischen Methoden und erklärt, warum gezielte Supplementierung auch in der Ära der Inkretin-Mimetika unverzichtbar bleibt.

1. Was sind GLP-1, GLP-2 und GLP-3-Agonisten?

Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) ist ein körpereigenes Darmhormon, das nach der Nahrungsaufnahme im Dünndarm freigesetzt wird. Es signalisiert dem Gehirn Sättigung, stimuliert die Insulinausschüttung, hemmt Glukagon und verlangsamt die Magenentleerung. Medikamente, die diese Wirkung nachahmen – sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten oder Inkretin-Mimetika – nutzen diesen Mechanismus therapeutisch.

Die Begriffe „GLP-2" und „GLP-3" werden in der öffentlichen Diskussion häufig vereinfacht verwendet. Präziser ausgedrückt:

  • GLP-1-Agonisten (Mono-Agonisten): Aktivieren ausschließlich den GLP-1-Rezeptor. Beispiel: Semaglutid (Ozempic, Wegovy).
  • Duale Agonisten (GLP-1 + GIP): Aktivieren zusätzlich den GIP-Rezeptor (Glukoseabhängiges insulinotropes Peptid). Beispiel: Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound).
  • Triple-Agonisten (GLP-1 + GIP + Glukagon): Aktivieren drei Rezeptoren gleichzeitig. Beispiel: Retatrutide (LY3437943), derzeit in Phase-3-Studien.

Definition: GLP-1-Agonisten sind verschreibungspflichtige Medikamente, die das körpereigene Darmhormon GLP-1 nachahmen. Sie reduzieren den Appetit, verlangsamen die Magenentleerung, fördern die Insulinausschüttung und hemmen Glukagon – ursprünglich für Typ-2-Diabetes entwickelt, heute zunehmend in der Adipositas-Therapie eingesetzt.

2. Wirkmechanismen: Vom Einzel- zum Triple-Agonisten

2.1 GLP-1: Der Sättigungsmechanismus

GLP-1-Rezeptoragonisten wirken über mehrere Pfade gleichzeitig. Im Hypothalamus reduzieren sie das Hungergefühl und verstärken die Sättigung. Im Pankreas stimulieren sie glukoseabhängig die Insulinsekretion und hemmen die Glukagonfreisetzung. Im Magen verlangsamen sie die Entleerung, was zu einer prolongierten Sättigung nach den Mahlzeiten führt.

Semaglutid – der Wirkstoff in Ozempic (Diabetes-Indikation) und Wegovy (Adipositas-Indikation) – wird einmal wöchentlich subkutan injiziert. In der STEP-1-Studie erreichten Teilnehmende eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 14,9 % nach 68 Wochen.

2.2 Dual-Agonismus: GLP-1 + GIP

Tirzepatid kombiniert GLP-1-Agonismus mit GIP-Rezeptoraktivierung. GIP (Glukoseabhängiges insulinotropes Peptid) verbessert die Insulinsekretion und scheint zusätzlich den Fettstoffwechsel positiv zu beeinflussen. Die SURMOUNT-1-Studie zeigte Gewichtsreduktionen von bis zu 22,5 % nach 72 Wochen – ein deutlicher Sprung gegenüber der Monotherapie.

2.3 Triple-Agonismus: GLP-1 + GIP + Glukagon

Retatrutide geht einen Schritt weiter und aktiviert zusätzlich den Glukagonrezeptor. Das klingt zunächst kontraintuitiv – Glukagon erhöht den Blutzucker. Doch in Kombination mit GLP-1 und GIP passiert etwas anderes: Glukagon aktiviert die Thermogenese, steigert den Energieverbrauch und fördert den hepatischen Fettabbau, während GLP-1 und GIP den blutzuckersteigernden Effekt ausgleichen.

Die Ergebnisse der Phase-2-Studie im New England Journal of Medicine (2023) waren bemerkenswert: Bis zu 24,2 % Gewichtsreduktion nach nur 48 Wochen – mit zusätzlicher Reduktion des Leberfettgehalts um bis zu 86 %.

Vergleich: Mono- vs. Dual- vs. Triple-Agonisten

Eigenschaft Semaglutid (GLP-1) Tirzepatid (GLP-1/GIP) Retatrutide (GLP-1/GIP/GCG)
Rezeptoren 1 (GLP-1) 2 (GLP-1, GIP) 3 (GLP-1, GIP, Glukagon)
Ø Gewichtsverlust ~15 % (68 Wo.) ~21 % (72 Wo.) ~24 % (48 Wo.) / ~29 % (68 Wo.)*
Status (Feb. 2026) Zugelassen Zugelassen Phase 3 (TRIUMPH)
Applikation 1× / Woche s.c. 1× / Woche s.c. 1× / Woche s.c.
Leberfett-Reduktion Moderat Ausgeprägt Bis zu 86 % (Phase 2)
Hersteller Novo Nordisk Eli Lilly Eli Lilly

*Phase-3-Daten (TRIUMPH-4, Dez. 2025): Bis zu 28,7 % Gewichtsreduktion nach 68 Wochen bei 9 mg und 12 mg.

3. Studienlage 2025–2026: Was die Daten wirklich zeigen

3.1 Semaglutid: Robuste Langzeitdaten

Semaglutid verfügt über die umfangreichste Datenbasis aller GLP-1-Agonisten. Das STEP-Studienprogramm umfasst mehrere Phase-3-Studien mit Tausenden von Teilnehmenden. In der SELECT-Studie (2023) zeigte sich zusätzlich eine Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um 20 % bei Patienten mit Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankung – ein Meilenstein, der über reine Gewichtsreduktion hinausgeht.

Seit Januar 2025 ist Semaglutid (Ozempic) zudem für die Reduktion des Risikos einer Verschlechterung bei diabetischer Nephropathie zugelassen – ein Beleg für das breite metabolische Wirkspektrum.

3.2 Tirzepatid: Die duale Revolution

Das SURMOUNT-Studienprogramm hat die Überlegenheit des dualen Ansatzes bestätigt. Drei Cochrane-Reviews im Auftrag der WHO (2025) bestätigen die Wirksamkeit von Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid bei der Gewichtsreduktion, wobei Tirzepatid die stärksten Effekte zeigt. Zusätzlich wurde Tirzepatid (Zepbound) im Dezember 2024 als erstes GLP-1-basiertes Medikament für die Behandlung von moderater bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe bei Adipositas zugelassen.

3.3 Retatrutide: First-in-Class Triple-Agonist

Im Dezember 2025 veröffentlichte Eli Lilly die ersten positiven Phase-3-Ergebnisse aus dem TRIUMPH-4-Trial. Bei Erwachsenen mit Adipositas und Kniearthrose erreichte Retatrutide:

  • Durchschnittlich 28,7 % Gewichtsreduktion (höchste Dosis, 68 Wochen)
  • Signifikante Schmerzreduktion und verbesserte physische Funktion
  • Reduktion kardiovaskulärer Risikomarker (Non-HDL-Cholesterin, Triglyceride, hsCRP)
  • Blutdrucksenkung um bis zu 14 mmHg (systolisch)

Sieben weitere Phase-3-Studien des TRIUMPH-Programms sollen 2026 Ergebnisse liefern. Analysten prognostizieren eine mögliche FDA-Zulassung für 2027. Eine Metaanalyse aus dem Proceedings of Baylor University Medical Center (2025) bestätigt das günstige Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil auf Basis der Phase-2-Daten.

3.4 Einordnung der Evidenzqualität

5 Punkte zur realistischen Einordnung der GLP-1-Studienlage:

  1. Studiendaten ≠ Real-World-Ergebnisse: In kontrollierten Studien sind Gewichtsverluste typischerweise höher als in der Praxis.
  2. Langzeitdaten über 5+ Jahre fehlen: Die meisten Studien laufen 48–72 Wochen.
  3. Selektionsbias: Studienteilnehmende sind motivierter und engmaschiger betreut als die breite Bevölkerung.
  4. Phase-3-Daten für Retatrutide sind noch begrenzt: Trotz vielversprechender Ergebnisse basiert vieles auf Phase-2-Daten.
  5. Individuelle Variabilität: Nicht jede Person reagiert gleich – genetische und metabolische Faktoren spielen eine Rolle.

4. Körperkomposition: Fettverlust vs. Muskelverlust

4.1 Das Muskelproblem

Eine der wichtigsten offenen Fragen betrifft die Körperkomposition während der Behandlung. Daten aus DXA- und MRT-Substudien zeigen, dass 25–45 % des Gesamtgewichtsverlusts unter Semaglutid und Tirzepatid auf fettfreie Masse entfallen können. In absoluten Zahlen können 15–25 % der Lean Mass verloren gehen.

Wir bei Ayuba betrachten diesen Punkt als besonders kritisch, weil Muskelmasse der größte Ort für die Glukoseaufnahme im Körper ist und direkt mit der metabolischen Gesundheit zusammenhängt. Der Verlust von Muskelmasse kann den Grundumsatz senken, die physische Leistungsfähigkeit einschränken und langfristig das Risiko für sarkopene Adipositas erhöhen – insbesondere bei älteren Personen.

Belegt: Neuere MRT-basierte Studien deuten darauf hin, dass die Veränderungen der Muskelmasse unter GLP-1-Therapie möglicherweise adaptiv und nicht zwingend maladaptiv sind. Ein Review in Circulation (2024) argumentiert, dass die Muskelvolumen-Veränderungen proportional zum Gewichtsverlust ausfallen – vergleichbar mit einer kalorienreduzierten Diät.

4.2 Strategien zur Muskelerhaltung

Eine Fallserie in SAGE Open Medical Case Reports (2025) dokumentierte drei Patienten unter GLP-1-Therapie, die durch gezieltes Krafttraining (3–5×/Woche) und hohe Proteinzufuhr (1,6–2,3 g/kg fettfreier Masse) bemerkenswerte Ergebnisse erzielten:

Fall 1

−33 % Gewicht

−53 % Fett · nur −6,9 % Lean Mass

Fall 2

−27 % Gewicht

−62 % Fett · +2,5 % Lean Mass

Fall 3

−13 % Gewicht

−47 % Fett · +5,8 % Lean Mass

Die Kombination aus Widerstandstraining und adäquater Proteinversorgung scheint der Schlüssel zu sein. Die BELIEVE-Studie (Phase 2b, 2025) zeigte zudem, dass die Kombination von Semaglutid mit Bimagrumab (einem Anti-Myostatin-Antikörper) etwa die Hälfte des Lean-Mass-Verlusts verhindern kann.

4.3 Lipidprofile und metabolische Effekte

Über den Gewichtsverlust hinaus verbessern GLP-1-Agonisten mehrere metabolische Parameter: Senkung des LDL-Cholesterins (ca. 20 % unter Retatrutide), Reduktion von Triglyceriden, Verbesserung der Insulinsensitivität und Senkung des HbA1c. In der Phase-2-Studie zu Retatrutide kehrten 72 % der Teilnehmenden mit Prädiabetes zur Normoglykämie zurück.

5. Nutzen vs. Nebenwirkungen: Eine ehrliche Bilanz

5.1 Gastrointestinale Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen aller GLP-1-Agonisten betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung. Diese treten vor allem während der Dosissteigerung auf und sind in den meisten Fällen leicht bis moderat. Bei Retatrutide waren die GI-Nebenwirkungen in höheren Dosisgruppen (8 mg, 12 mg) häufiger, insbesondere bei schneller Dosiseskalation.

Praxis-Relevanz: Die verlangsamte Magenentleerung unter GLP-1-Therapie kann die Resorption von Nährstoffen und Mikronährstoffen beeinträchtigen. Experten empfehlen kleinere, nährstoffdichte Mahlzeiten und gezieltes Monitoring von Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, Magnesium und Eisen. Auch eine adäquate Hydratation ist essenziell, da das Durst-Signal reduziert sein kann – ein Aspekt, bei dem eine gezielte Elektrolyt-Supplementierung eine sinnvolle Ergänzung darstellt.

5.2 Hormonelle und psychiatrische Aspekte

Eine Analyse der WHO-Pharmakovigilanz-Datenbank (publiziert in JAMA Network Open, 2024) zeigte für Semaglutid ein statistisches Signal für ein möglicherweise erhöhtes Risiko suizidaler Gedanken. Für Liraglutid bestand kein entsprechender Zusammenhang. Wichtig: Ein statistisches Signal in einer Datenbank ist kein Kausalitätsbeweis. Prospektive Studien sind erforderlich, um dieses Signal zu bestätigen oder zu widerlegen.

Bei bekannter Depression oder Angsterkrankung empfehlen Fachgesellschaften eine engmaschigere Begleitung unter GLP-1-Therapie.

5.3 Der Rebound-Effekt: Was passiert nach dem Absetzen?

Kernbefund: Rebound nach Absetzen

Die STEP-1-Verlängerungsstudie zeigte: Ein Jahr nach dem Absetzen von Semaglutid hatten Teilnehmende etwa zwei Drittel ihres Gewichtsverlusts wieder zugenommen – einschließlich der kardiometabolischen Verbesserungen. Aktuelle Metaanalysen bestätigen eine Wiederzunahme von ca. 0,8 kg pro Monat nach dem Absetzen, mit projizierter Rückkehr zum Ausgangsgewicht innerhalb von ~18 Monaten.

Hypothese: Real-World-Daten deuten darauf hin, dass die Wiederzunahme in der Praxis möglicherweise langsamer verläuft als in klinischen Studien, unter anderem weil Patienten im Alltag oft weniger Gewicht verlieren und häufiger Lebensstiländerungen beibehalten. Dies bestätigt den Charakter von Adipositas als chronische Erkrankung, die eine langfristige Strategie erfordert.

6. Spezielle Zielgruppen: Lipödem, Fettstoffwechsel & mehr

6.1 Lipödem

Mögliche Vorteile: Etwa 60 % der Lipödem-Patientinnen leiden zusätzlich an Adipositas. Eine GLP-1-vermittelte Gewichtsreduktion kann die allgemeine Fettmasse reduzieren, OP-Risiken vor einer Liposuktion senken (bei BMI >35) und möglicherweise Entzündungsmarker verbessern. Einzelne Fallberichte beschreiben subjektiv weniger Schmerzen und Entzündungsgefühl.

Wissenschaftliche Lage: Es existieren keine kontrollierten klinischen Studien zur Wirkung von GLP-1-Agonisten spezifisch auf Lipödem-Gewebe. Alle positiven Berichte basieren auf der Behandlung der Begleit-Adipositas. Lipödem-Fettgewebe hat eine andere Pathophysiologie als normales Fettgewebe.

Risiken: Der unter GLP-1-Therapie mögliche Muskelverlust kann bei Lipödem-Patientinnen besonders problematisch sein, da Muskelmasse für die venöse und lymphatische Pumpfunktion wichtig ist.

Offene Fragen: Wirkt GLP-1 auf das krankhafte Lipödem-Fett oder nur auf das begleitende Normalfett? Kann Tirzepatid durch seine anti-inflammatorische Komponente einen Zusatznutzen bei der Gewebefibrose bieten? Die S2k-Leitlinie empfiehlt weiterhin die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) als Basis.

6.2 Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie)

Mögliche Vorteile: GLP-1-Agonisten verbessern Lipidprofile signifikant. Retatrutide zeigte in Phase-2-Daten eine LDL-Reduktion von ca. 20 %, möglicherweise über die Beeinflussung des PCSK9-Abbaus durch Glukagonagonismus. Triglyceride und Non-HDL-Cholesterin werden ebenfalls gesenkt.

Wissenschaftliche Lage: Die Verbesserung der Lipidprofile ist konsistent über mehrere Studien belegt, sowohl für Semaglutid als auch für Tirzepatid. Die SELECT-Studie bestätigt klinisch relevante Reduktionen kardiovaskulärer Ereignisse.

Risiken & offene Fragen: HDL-Cholesterin bleibt unter GLP-1-Therapie weitgehend unverändert. Bei schwerer familiärer Hypercholesterinämie reichen GLP-1-Agonisten allein nicht aus. Langzeitdaten über 5+ Jahre fehlen.

6.3 Immunerkrankungen und Entzündung

Mögliche Vorteile: GLP-1-Rezeptoren finden sich auf verschiedenen Immunzellen. Präklinische Daten deuten auf anti-inflammatorische Eigenschaften hin: Reduktion von hsCRP, TNF-α und IL-6. Semaglutid konnte in Studien Entzündungsmarker in der Leber senken.

Wissenschaftliche Lage: Die anti-inflammatorischen Effekte sind bisher hauptsächlich als Sekundäreffekte der Gewichtsreduktion dokumentiert. Spezifische Studien an Patienten mit Autoimmunerkrankungen unter GLP-1-Therapie fehlen weitgehend.

Offene Fragen: Können GLP-1-Agonisten bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder CED einen Zusatznutzen bieten? Prospektive Studien fehlen. Die EMA prüft aktuell die Datenlage zu möglichen Schilddrüsentumor-Risiken.

6.4 Wassereinlagerungen (Ödeme)

Mögliche Vorteile: Die gewichtsbedingte Entlastung des venösen Systems und die Verbesserung der Insulinsensitivität können Wassereinlagerungen indirekt reduzieren. Die Blutdrucksenkung unter Retatrutide (bis zu 14 mmHg systolisch) deutet auf eine verbesserte Nierenperfusion hin.

Risiken: Die verlangsamte Magenentleerung und das reduzierte Durstempfinden können zu Dehydration führen, was Ödeme paradoxerweise verschlimmern kann. Eine gezielte Elektrolytzufuhr ist besonders wichtig.

Offene Fragen: Gibt es direkte Effekte auf die lymphatische Drainage? Profitieren Patienten mit herzinsuffizienzbedingten Ödemen von der kardioprotektiven Wirkung?

7. GLP-1 vs. klassische Methoden: Der evidenzbasierte Vergleich

Ein häufiger Fehler in der öffentlichen Diskussion: GLP-1-Agonisten werden als Alternative zu Lebensstilmaßnahmen positioniert. Tatsächlich zeigt die Evidenz, dass sie am wirksamsten in Kombination mit klassischen Methoden funktionieren.

Methode Ø Gewichtsverlust Muskelerhalt Nachhaltigkeit Evidenz
GLP-1 (Semaglutid) ~15 % (68 Wo.) ⚠️ Ohne Training problematisch ⚠️ Rebound nach Absetzen ★★★★★
Kaloriendefizit (500 kcal/d) 5–10 % (12 Mo.) Moderat ✅ Hoch bei Adherence ★★★★★
High-Protein-Diät (>1,6 g/kg) 5–8 % ✅ Gut ✅ Hoch ★★★★
Intervallfasten (16:8) 3–8 % Moderat Moderat ★★★
L-Carnitin / ProGBB 1–3 % (unterstützend) ✅ Neutral bis positiv ✅ Hoch (Ergänzung) ★★★
Berberin 2–5 % Neutral Moderat ★★★
Grüntee-Extrakt (EGCG) 1–4 % (unterstützend) ✅ Neutral bis positiv ✅ Hoch (Ergänzung) ★★★★
Krafttraining (3–5×/Wo.) 2–5 % (Fett) ✅ Sehr gut ✅ Sehr hoch ★★★★★
Ausdauertraining (150 Min./Wo.) 3–5 % Moderat ✅ Hoch ★★★★★

Evidenz-Rating basiert auf Anzahl und Qualität verfügbarer RCTs und Metaanalysen (Stand Feb. 2026).

Kaloriendefizit: Der Grundpfeiler jeder Gewichtsreduktion bleibt das Energiedefizit. GLP-1-Agonisten wirken, indem sie dieses Defizit durch Appetitreduktion leichter aufrechterhalten lassen – sie umgehen es nicht. Wer dauerhaft erfolgreich sein will, braucht eine nachhaltige Ernährungsstrategie. Für evidenzbasierte Anleitungen empfehlen wir unseren umfassenden Guide: Schnell und gesund abnehmen – die effektive Anleitung.

High-Protein-Diät: Eine hohe Proteinzufuhr ist unter GLP-1-Therapie besonders relevant. Studien zeigen, dass GLP-1-Agonisten die Präferenz für proteinreiche Lebensmittel reduzieren können, was den Muskelverlust verschärft. Mindestens 1,2–1,6 g Protein pro kg Körpergewicht – idealerweise mehr – sollten angestrebt werden.

L-Carnitin und ProGBB: L-Carnitin transportiert langkettige Fettsäuren in die Mitochondrien zur β-Oxidation. Dieser Mechanismus ist unabhängig von GLP-1-Signalwegen und kann die Fettverbrennung synergistisch unterstützen. ProGBB (Gamma-Butyrobetain) erhöht die körpereigene Carnitin-Synthese und zeigt in Studien positive Effekte auf die Ausdauerleistung. Für eine detaillierte Analyse verweisen wir auf: ProGBB – Das ultimative Super-Carnitin: Wirkung, Studien & Anwendung.

Berberin: Berberin aktiviert AMPK und verbessert die Insulinsensitivität über einen Mechanismus, der dem von Metformin ähnelt. Es zeigt moderate Effekte auf Gewicht und HbA1c, ist jedoch kein Ersatz für GLP-1-Agonisten bei schwerer Adipositas.

Grüntee-Extrakt (EGCG): Epigallocatechingallat (EGCG) aus grünem Tee ist einer der am besten untersuchten natürlichen Wirkstoffe im Kontext der Fettoxidation. EGCG hemmt die Catechol-O-Methyltransferase (COMT), was den Noradrenalin-Abbau verlangsamt und so die Thermogenese steigert. Metaanalysen zeigen eine moderate, aber signifikante Unterstützung des Fettstoffwechsels – insbesondere in Kombination mit körperlicher Aktivität. Für alle, die auf den Triple-Agonisten Retatrutide noch warten müssen, bietet ein hochdosierter, standardisierter Green Tea Premium Extrakt eine evidenzbasierte, sofort verfügbare Option zur Unterstützung der Fettverbrennung – ohne Rezeptpflicht und ohne gastrointestinale Nebenwirkungen.

Krafttraining: Die wichtigste Einzelmaßnahme zur Muskelerhaltung unter GLP-1-Therapie. Studien zeigen, dass Widerstandstraining den Lean-Mass-Verlust nahezu vollständig kompensieren kann – vorausgesetzt, die Proteinzufuhr stimmt.

8. Zukunft & Prognosen: Was kommt nach Semaglutid?

8.1 Retatrutide: Der realistische Zeithorizont

Prognose (keine gesicherte Datenlage): Sieben Phase-3-Studien des TRIUMPH-Programms sollen 2026 Ergebnisse liefern. Analysten prognostizieren eine mögliche FDA-Zulassung für 2027 mit einem Umsatzpotenzial von 15,6 Milliarden US-Dollar bis 2031. Für den europäischen Markt ist mit einer Verzögerung von 6–12 Monaten nach der FDA-Zulassung zu rechnen.

Zusätzlich entwickelt Eli Lilly mit Orforglipron einen oralen GLP-1-Rezeptoragonisten in Tablettenform, der in Phase-3-Studien Gewichtsreduktionen von 7,8–12,4 % zeigte. Eine Zulassung wird frühestens 2026 erwartet.

8.2 Auswirkungen auf die Supplement-Industrie

Prognose: GLP-1-Agonisten werden die Supplement-Industrie nicht ersetzen, sondern den Bedarf in bestimmten Bereichen sogar erhöhen:

  • Protein-Supplementierung: Höherer Bedarf durch reduzierten Appetit und Muskelverlust-Risiko
  • Mikronährstoffe: Vitamin B12, Vitamin D, Magnesium, Eisen und Elektrolyte werden bei reduzierter Nahrungsaufnahme kritischer
  • Fettoxidations-Unterstützung: L-Carnitin, ProGBB und Grüntee-Extrakt (EGCG) können den GLP-1-unabhängigen Fettstoffwechsel über Thermogenese und mitochondriale β-Oxidation zusätzlich aktivieren
  • Kollagen und Bindegewebe: Schneller Gewichtsverlust belastet Haut und Bindegewebe
  • Darmgesundheit: GLP-1-bedingte GI-Nebenwirkungen erhöhen den Bedarf an probiotischer Unterstützung

9. Warum Supplements auch mit GLP-1 unverzichtbar bleiben

Die Realität der GLP-1-Therapie zeigt: Weniger essen bedeutet nicht automatisch besser versorgt sein. Im Gegenteil – die reduzierte Nahrungsaufnahme unter Inkretin-Mimetika schafft neue ernährungsphysiologische Herausforderungen.

UC Davis Health betont in einer aktuellen Stellungnahme (Dezember 2025) die Notwendigkeit von „Precision Nutrition Strategies" unter GLP-1-Therapie: kleinere, nährstoffdichte Mahlzeiten mit hochwertigem Protein, Mikronährstoff-Monitoring und Hydratationslösungen. Genau hier setzt evidenzbasierte Supplementierung an – nicht als Ersatz für Medikamente oder Lebensstilmaßnahmen, sondern als intelligente Ergänzung zur Sicherung der Versorgung.

Wir bei Ayuba Nutrition haben festgestellt, dass Kunden, die GLP-1-Medikamente nutzen, zunehmend nach wissenschaftlich fundierten Mikronährstoff-Lösungen suchen. Unsere Produkte werden nach GMP/HACCP-Standards in Apothekenqualität hergestellt – mit lückenloser Transparenz vom Rohstoff bis zum Endprodukt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Gewicht verliert man mit GLP-1-Agonisten?

In kontrollierten Studien liegt die durchschnittliche Gewichtsreduktion bei 15 % (Semaglutid, 68 Wochen), 21 % (Tirzepatid, 72 Wochen) und 24–29 % (Retatrutide, Phase 2/3). In der Praxis fallen die Ergebnisse typischerweise etwas geringer aus.

Nimmt man nach dem Absetzen von Ozempic wieder zu?

Ja. Die STEP-1-Verlängerungsstudie zeigte, dass Teilnehmende innerhalb eines Jahres nach dem Absetzen etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zunahmen. Aktuelle Metaanalysen bestätigen eine Wiederzunahme von durchschnittlich 0,8 kg pro Monat. Nachhaltige Lebensstiländerungen sind daher essenziell.

Ist Muskelverlust unter GLP-1-Therapie unvermeidlich?

Nein, aber er erfordert aktive Gegenmaßnahmen. Studien zeigen, dass gezieltes Krafttraining (3–5×/Woche) kombiniert mit hoher Proteinzufuhr (≥1,6 g/kg) den Lean-Mass-Verlust weitgehend kompensieren kann. In Einzelfällen wurde sogar Muskelaufbau dokumentiert.

Was ist der Unterschied zwischen Ozempic, Wegovy und Mounjaro?

Ozempic und Wegovy enthalten beide Semaglutid. Ozempic ist für Typ-2-Diabetes zugelassen (max. 2 mg), Wegovy für Adipositas (max. 2,4 mg). Mounjaro enthält Tirzepatid, einen dualen GLP-1/GIP-Agonisten, und zeigt in Studien stärkere Gewichtsreduktionen als Semaglutid.

Wann kommt Retatrutide auf den Markt?

Retatrutide befindet sich im Phase-3-Studienprogramm (TRIUMPH). Sieben Studien sollen 2026 Ergebnisse liefern. Marktanalysten prognostizieren eine FDA-Zulassung frühestens 2027, eine EU-Zulassung entsprechend später. Dies ist eine Prognose, kein gesicherter Zeitplan.

Brauche ich Supplements, wenn ich GLP-1-Medikamente nehme?

Die reduzierte Nahrungsaufnahme unter GLP-1-Therapie erhöht das Risiko für Mikronährstoffdefizite, insbesondere bei Vitamin B12, Vitamin D, Magnesium, Eisen und Elektrolyten. Fachgesellschaften empfehlen gezieltes Monitoring und bei Bedarf eine Supplementierung – insbesondere in Kombination mit erhöhter Proteinzufuhr und Widerstandstraining.

Wie viel Kreatin sollte ich als Anfänger nehmen, wenn ich GLP-1 nutze?

Die Standardempfehlung für Kreatin-Monohydrat (3–5 g/Tag) gilt unabhängig von GLP-1-Medikamenten. Kreatin kann unter GLP-1-Therapie sogar besonders sinnvoll sein, da es die Muskelproteinsynthese unterstützt und dem erhöhten Muskelverlust-Risiko entgegenwirken kann.

Quellenverzeichnis

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  3. Tinsley GM, Nadolsky S. Preservation of lean soft tissue during weight loss induced by GLP-1 and GLP-1/GIP receptor agonists. SAGE Open Med Case Rep. 2025. SAGE
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  9. Triple Agonism Based Therapies for Obesity. PMC. 2025. PMC

Medizinischer Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. GLP-1-Agonisten sind verschreibungspflichtige Medikamente, die ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden dürfen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Autor: Ayuba Langer · Zuletzt geprüft: Februar 2026

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