TL;DR - DAS WICHTIGSTE IN 30 SEKUNDEN
Eine im Dezember 2025 in Clinical Nutrition veröffentlichte prospektive Kohortenstudie hat über 217.000 Teilnehmer der UK Biobank (40-64 Jahre) ausgewertet. Das Ergebnis: Personen mit den höchsten Omega-3-Blutspiegeln hatten ein um 35-40% geringeres Risiko für früh einsetzende Demenz (Hazard Ratio Q5: 0,60 [95% KI: 0,42-0,86]) - auch nach Adjustierung für Genetik, Lebensstil und kardiometabolische Faktoren. Es ist die erste Großstudie, die diesen Zusammenhang bei Erwachsenen unter 65 Jahren nachweist.
Dieser Artikel ist die deutsche Vertiefung unserer englischsprachigen Analyse. Read the English version here.
217.122
Teilnehmer analysiert
40%
geringeres Demenzrisiko (Q5)
8,3
Jahre Follow-up im Schnitt
8%
Omega-3-Index Zielwert
Inhaltsverzeichnis
Was ist früh einsetzende Demenz (Early-Onset Dementia)?
Früh einsetzende Demenz (EOD) bezeichnet eine Demenzdiagnose vor dem 65. Lebensjahr. Sie betrifft weltweit circa 370.000 Neuerkrankte pro Jahr und unterscheidet sich von der weitaus häufigeren spät einsetzenden Demenz (LOD) dadurch, dass sie Menschen mitten im Berufsleben und Familienalltag trifft. Aktuelle Forschung zeigt, dass viele EOD-Fälle mit modifizierbaren Risikofaktoren - darunter Ernährung und Lebensstil - assoziiert sind.
1. Studienüberblick: Die wichtigsten Zahlen
Im Dezember 2025 veröffentlichte ein internationales Forscherteam um Dr. Aleix Sala-Vila (Hospital del Mar Research Institute, Barcelona) zusammen mit dem Fatty Acid Research Institute (FARI), der University of Illinois-Chicago und der University of South Dakota eine Studie im peer-reviewed Journal Clinical Nutrition, die das Potenzial hat, die Demenz-Prävention grundlegend zu verändern.
Der Titel: "Blood omega-3 is inversely related to risk of early-onset dementia". Die Datenbasis ist beeindruckend - die UK Biobank gehört zu den größten und methodisch saubersten epidemiologischen Datenbanken der Welt.
Studiendesign: 8 Kernfakten
- 217.122 Teilnehmer aus der UK-Biobank-Kohorte
- Alter bei Studieneinschluss: 40 bis 64 Jahre (alle demenzfrei)
- Mittlere Nachbeobachtungszeit: 8,3 Jahre
- 325 Fälle von früh einsetzender Demenz während des Follow-up identifiziert
- Omega-3-Status gemessen über Plasma-Biomarker (nicht Selbstangabe)
- Drei Omega-3-Metriken analysiert: Gesamt-Omega-3, DHA und Non-DHA-Omega-3
- Adjustiert für APOE-e4-Genotyp, Lebensstilfaktoren und kardiometabolische Variablen
- Statistische Methodik: Cox-Regression mit Quintilen und kontinuierlicher linearer Analyse
"Dies ist die erste Großstudie, die zeigt, dass objektiv gemessener Omega-3-Status mit einem geringeren Demenzrisiko vor dem 65. Lebensjahr assoziiert ist." - Dr. Aleix Sala-Vila, Studienleiter
2. Warum diese Studie ein Gamechanger ist
Die meiste Demenzforschung konzentriert sich auf Populationen über 65. Das ist nachvollziehbar - spät einsetzende Demenz ist weitaus häufiger. Aber früh einsetzende Demenz ist besonders verheerend: Sie trifft Menschen in ihren produktivsten Jahren, mit Kindern zu Hause, Karriereverantwortung und finanziellen Verpflichtungen. Die sozioökonomische Belastung ist enorm.
Was diese Studie besonders relevant macht, ist die Methodik. Frühere Studien zu Omega-3 und kognitiver Gesundheit stützten sich häufig auf Ernährungsfragebögen - also auf die Erinnerung der Teilnehmer, was sie gegessen haben. Diese Methode ist notorisch ungenau. Die vorliegende Studie verwendet dagegen direkt gemessene Plasma-Omega-3-Spiegel, die ein objektives Bild des tatsächlichen Omega-3-Status liefern.
"Da Omega-3-Spiegel sicher und effektiv durch Ernährung und Supplementierung erhöht werden können, stellt dies eine plausible, kostengünstige Strategie dar, die die Last der früh einsetzenden Demenz verringern könnte." - Dr. Nathan Tintle, Co-Autor
3. Die Hazard Ratios im Detail
Jetzt wird es konkret. Die Studie teilt die Teilnehmer in fünf gleich große Gruppen (Quintile, Q1-Q5) basierend auf ihren Plasma-Omega-3-Spiegeln ein. Q1 hat die niedrigsten Werte, Q5 die höchsten. Hier sind die exakten Ergebnisse aus der PubMed-Veröffentlichung (PMID: 41506004):
| Omega-3-Metrik | Quintil | Hazard Ratio [95% KI] | Interpretation |
|---|---|---|---|
| Gesamt-Omega-3 | Q4 vs. Q1 | 0,62 [0,43 - 0,89] | 38% geringeres Risiko - signifikant |
| Q5 vs. Q1 | 0,60 [0,42 - 0,86] | 40% geringeres Risiko - signifikant | |
| DHA | Q5 vs. Q1 | Signifikante inverse Assoziation | Höhere DHA-Werte = geringeres Risiko |
| Non-DHA-Omega-3 | Q3, Q4, Q5 vs. Q1 | Signifikant in allen drei oberen Quintilen | Breitere Schutzwirkung - bereits ab Q3 |
| Gesamt-Omega-3 (kontinuierlich) | Pro Einheit Anstieg | Signifikante inverse Assoziation | Linearer Dosis-Wirkungs-Zusammenhang |
Was heißt das konkret? Der Schutzeffekt ist nicht erst bei extrem hohen Omega-3-Werten messbar. Bereits im vierten Quintil (Q4) ist das Risiko um 38% reduziert. Non-DHA-Omega-3 zeigt sogar ab dem dritten Quintil (Q3) signifikante Ergebnisse. Du musst nicht in den absoluten Spitzenbereich kommen - aber je höher der Spiegel, desto stärker die Assoziation. Besonders relevant: der lineare Zusammenhang deutet darauf hin, dass es keinen Plateaueffekt gibt.
4. Die Biochemie: Warum Omega-3 das Gehirn schützt
Um die Studienergebnisse einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die biochemischen Mechanismen, die Omega-3-Fettsäuren im zentralen Nervensystem entfalten. Die Forschung identifiziert mehrere Hauptpfade:
5 neuroprotektive Mechanismen von Omega-3
1. Membranfluidität und synaptische Funktion
DHA macht circa 40% der mehrfach ungesättigten Fettsäuren in neuronalen Membranen aus. Ausreichende DHA-Spiegel erhalten die Membranfluidität, die für die Signaltransduktion an Synapsen essentiell ist.
2. Anti-inflammatorische Kaskade (SPMs)
EPA wird zu Resolvinen, Protektinen und Maresinen metabolisiert - sogenannte Specialized Pro-Resolving Mediators (SPMs). Diese Moleküle lösen aktiv chronische Entzündungen auf, anstatt sie nur zu unterdrücken.
3. Neurogenese im Hippocampus
Präklinische Daten zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren die Bildung neuer Nervenzellen im Hippocampus fördern können - einer Hirnregion, die für Gedächtnis und Lernen zentral ist.
4. Reduktion von Amyloid-beta
DHA kann die Expression von SorLA/LR11 erhöhen, einem Protein, das Amyloid-Vorläuferproteine von den Sekretasen weglenkt, die das toxische Amyloid-beta produzieren. Weniger Amyloid-beta = reduziertes Alzheimer-Risiko.
5. Hemmung der Tau-Phosphorylierung
Omega-3 kann die Aktivität von Kinasen hemmen, die das Tau-Protein hyperphosphorylieren. Hyperphosphoryliertes Tau bildet die neurofibrillären Tangles - neben Amyloid-Plaques das zweite pathologische Hallmark von Alzheimer.
Die Kombination dieser Mechanismen erklärt, warum Omega-3-Fettsäuren nicht nur einen, sondern mehrere Angriffspunkte in der Pathogenese neurodegenerativer Erkrankungen haben. Es ist kein einzelner "Wundermechanismus", sondern ein breites neuroprotektives Profil.
5. DHA vs. EPA vs. Non-DHA: Die überraschende Erkenntnis
Konventionelles Denken hat DHA immer als die "Gehirn-Omega-3-Fettsäure" betrachtet. Und das ist nicht falsch - DHA ist strukturell unverzichtbar für neuronale Membranen. Aber diese Studie bringt eine wichtige Nuance.
Die protektive Assoziation gegen früh einsetzende Demenz war für DHA signifikant - aber sie war für die Non-DHA-Omega-3-Fraktion (EPA, DPA, ALA) sogar stärker. Bei Non-DHA-Omega-3 zeigten bereits drei Quintile (Q3, Q4 und Q5) signifikante Ergebnisse, während DHA nur im höchsten Quintil (Q5) Signifikanz erreichte.
| Fettsäure | Primäre Funktion im Gehirn | Studienbefund |
|---|---|---|
| DHA (Docosahexaensäure) | Strukturelle Integrität neuronaler Membranen, synaptische Signaltransduktion, Neurogenese | Signifikant inverse Assoziation (Q5) |
| EPA (Eicosapentaensäure) | Anti-inflammatorische Wirkung, Vorläufermolekül für SPMs (Resolvine, Protektine) | Teil der Non-DHA-Fraktion - signifikant ab Q3 |
| DPA (Docosapentaensäure) | Intermediäres Metabolit, kann zu DHA konvertiert werden, eigenständige anti-inflammatorische Wirkung | Teil der Non-DHA-Fraktion |
| ALA (Alpha-Linolensäure) | Pflanzliche Omega-3-Vorstufe, geringe Konversionsrate zu EPA/DHA (ca. 5-10%) | Teil der Non-DHA-Fraktion |
Die praktische Konsequenz: Ein Omega-3-Supplement, das sowohl EPA als auch DHA in relevanten Dosierungen liefert, ist einem reinen DHA-Präparat vorzuziehen.
Omega-3 Grundversorgung starten
Du startest gerade erst mit Omega-3? Ein hochwertiges Fischöl in Triglycerid-Form ist der einfachste Weg, deinen Baseline-Spiegel aufzubauen. Achte darauf, dass EPA- und DHA-Gehalt pro Portion klar deklariert sind - nicht nur das Gesamtgewicht des Fischöls.
6. Der Omega-3-Index: Dein messbarer Biomarker
Eines der praxisrelevantesten Ergebnisse der Studie betrifft eine konkrete Zahl: den Omega-3-Index. Basierend auf etablierten Umrechnungsformeln entsprechen die Omega-3-Spiegel mit der größten Risikoreduktion einem Omega-3-Index von circa 8%.
Der Omega-3-Index misst den prozentualen Anteil von EPA und DHA in den Membranen roter Blutkörperchen. Er wurde ursprünglich als Risikomarker für die koronare Herzkrankheit vorgeschlagen und wird zunehmend auch als relevanter Biomarker für die Hirngesundheit anerkannt.
| Omega-3-Index | Bewertung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Unter 4% | Defizitär - höchstes Risiko | Dringend supplementieren. 2.000+ mg EPA/DHA täglich. |
| 4-8% | Moderat - Verbesserungspotenzial | Supplementierung oder 2-3x/Woche fetten Fisch. Ziel: 8%+. |
| 8% und höher | Optimal - protektiver Bereich | Diesen Level halten. Regelmäßig überprüfen. |
"Die Tatsache, dass wir eine Beziehung zu Omega-3-Spiegeln gefunden haben, war aufregend, weil es nahelegt - keineswegs beweist -, dass hohe Omega-3-Spiegel über das gesamte Erwachsenenalter hinweg sowohl frühe als auch späte Demenz aufhalten könnten." - Dr. Bill Harris, FARI
⚠ Deutschland: Typischerweise unter dem Optimum
Laut der Omega-3-Weltkarte 2024 (Schuchardt et al.) liegt der durchschnittliche Omega-3-Index in Deutschland bei etwa 5-6% - deutlich unter dem optimalen Zielwert von 8%. Länder mit hohem Fischkonsum wie Japan oder Südkorea erreichen Werte von 8-12%. Für die meisten Deutschen bedeutet das: Ohne bewusste Supplementierung oder regelmäßigen Fischkonsum bleibt man unter dem Schutzlevel, das diese Studie als relevant identifiziert.
7. APOE-e4 und Genetik: Schützt Omega-3 trotzdem?
Das APOE-e4-Allel ist der stärkste bekannte genetische Risikofaktor für Alzheimer und Demenz. Träger einer oder zweier Kopien haben ein signifikant erhöhtes Lebenszeitrisiko. Die logische Frage: Nützt Omega-3 überhaupt, wenn die Genetik gegen einen arbeitet?
Die Antwort der Studie ist beruhigend: Die Forscher fanden keinerlei Hinweise auf eine Interaktion zwischen Omega-3-Spiegeln und APOE-e4-Allel-Last. Das bedeutet: Die protektive Assoziation war unabhängig vom genetischen Risikoprofil präsent.
Das ist wichtig, weil es Omega-3-Optimierung nicht nur zu einer Strategie für genetisch Privilegierte macht. Auch wenn du APOE-e4-Träger bist, könnte ein adäquater Omega-3-Spiegel mit einem sinnvoll reduzierten Demenzrisiko assoziiert sein.
8. Einordnung in den Forschungskontext
Diese Studie steht nicht isoliert. Sie fügt sich in einen wachsenden Corpus von Evidenz ein, der die neuroprotektive Rolle von Omega-3-Fettsäuren unterstützt:
Unterstützende Evidenz aus anderen Studien
Meta-Analyse 2023 (Wei et al.)
48 Längsstudien mit 103.651 Teilnehmern zeigten, dass Omega-3-Aufnahme das Risiko für Demenz oder kognitiven Abbau um circa 20% senkt. Jede zusätzliche 0,1 g DHA oder EPA pro Tag war mit 8-10% weniger kognitivem Abbau assoziiert.
ADNI-Kohorte (Langzeit-Supplementierung)
Langzeit-Nutzer von Omega-3-Supplementen zeigten ein um 64% reduziertes Alzheimer-Risiko (HR: 0,36 [95% KI: 0,18-0,72]).
Omega-3-Index-Review 2025 (Harris)
Von 456 Zitierungen des Omega-3-Index in PubMed erschienen 58 allein in den letzten 18 Monaten - ein Beleg für die wachsende Akzeptanz dieses Biomarkers in der klinischen Forschung.
UK Biobank AF-Studie (O'Keefe et al., 2025)
Höhere Omega-3-Blutspiegel korrelieren auch mit geringerem Vorhofflimmern-Risiko - ein weiterer Beleg für den systemischen Schutzeffekt.
Wattanathorn et al. (2025) - RCT
2.500 mg DHA täglich über 2 Monate verbesserte das Arbeitsgedächtnis und reduzierte kognitiven Abbau bei postmenopausalen Frauen in einer doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Studie.
Was die Sala-Vila-Studie einzigartig macht: der Fokus auf die unter-65-Jährigen und die Verwendung objektiver Biomarker statt Selbstberichten. In der Gesamtschau verstärkt sie die bestehende Evidenz erheblich.
Omega-3-Spiegel gezielt optimieren
Du supplementierst bereits, willst aber sicherstellen, dass du den optimalen Omega-3-Index von 8%+ erreichst? Ein konzentriertes Präparat mit höherer EPA/DHA-Dosis pro Softgel reduziert die Kapselanzahl und steigert die Effizienz.
9. Was bedeutet das für deine Supplementierung?
Wir bei Ayuba Nutrition interpretieren die Daten so - mit angemessener wissenschaftlicher Vorsicht:
Erstens: Omega-3-Status ist kein optionaler Lifestyle-Marker. Es ist ein fundamentaler Biomarker für langfristige Gesundheit, insbesondere Hirngesundheit. Je früher du anfängst zu optimieren, desto besser die potenziellen Ergebnisse.
Zweitens: Die Daten sprechen klar für konsistente, langfristige Supplementierung statt sporadischer Einnahme. Die Studie hat Baseline-Omega-3-Spiegel gemessen und Outcomes über 8+ Jahre verfolgt. Wer profitiert hat, hatte zuverlässig erhöhte Omega-3-Werte - nicht die "Mal drei Wochen Fischöl"-Fraktion.
Drittens: Qualität ist entscheidend. Omega-3-Supplemente variieren enorm in ihrem EPA/DHA-Gehalt, der Bioverfügbarkeit (Triglycerid- vs. Ethylester-Form), Reinheit und Oxidationsgrad. Ein billiges, schlecht gelagertes Fischöl, das bereits ranzig ist, liefert nicht dieselben Ergebnisse wie ein pharmazeutisch-reines Produkt.
Viertens: Der Triglycerid-Form den Vorzug geben. Die Forschung zeigt konsistent, dass Omega-3 in Triglycerid-Form eine höhere Bioverfügbarkeit aufweist als die Ethylester-Variante. Mehr EPA und DHA pro Kapsel erreichen tatsächlich deinen Blutkreislauf.
10. Limitationen: Was die Studie nicht beweisen kann
Wissenschaftliche Integrität erfordert, dass wir auch die Grenzen thematisieren. Transparenz über Limitationen ist genauso wichtig wie das Hervorheben der Ergebnisse.
Beobachtungsstudie, kein RCT: Dies ist eine prospektive Kohortenstudie, keine randomisierte kontrollierte Studie. Sie kann Assoziation zeigen, aber keine Kausalität beweisen. Höhere Omega-3-Spiegel könnten mit anderen gesunden Verhaltensweisen korrelieren, die ebenfalls vor Demenz schützen. Die Forscher haben für viele dieser Variablen adjustiert, aber Residualconfounding ist immer möglich.
Einzelmessung: Die Omega-3-Spiegel wurden einmalig zum Baseline-Zeitpunkt gemessen. Wir wissen nicht, wie sich die Werte über den Follow-up-Zeitraum verändert haben.
Seltenes Outcome: Mit 325 EOD-Fällen bei 217.000+ Teilnehmern sind die absoluten Zahlen klein. Das ist der Natur der früh einsetzenden Demenz geschuldet. Die Konfidenzintervalle sind daher breiter als bei einer Studie zu spät einsetzender Demenz.
UK-zentrierte Population: UK-Biobank-Teilnehmer sind tendenziell gesünder und sozioökonomisch bessergestellt als die Allgemeinbevölkerung. Ob die Ergebnisse auf alle Populationen übertragbar sind, muss noch bestätigt werden.
Die Autoren selbst räumen ein, dass randomisierte Studien zu Omega-3 und Demenz-Inzidenz in dieser Altersgruppe kaum realisierbar sind - die Erkrankung ist zu selten und der notwendige Follow-up zu lang. Gut designte Beobachtungsstudien wie diese sind daher die beste Evidenz, die wir realistisch bekommen werden.
Für den Longevity-Stack
Du trackst bereits Biomarker und baust einen Longevity-Stack? Omega-3 ist nicht verhandelbar. Lass deinen Omega-3-Index testen, ziele auf 8%+ ab und re-evaluiere in 3-6 Monaten.
11. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel Omega-3 brauche ich täglich, um einen Omega-3-Index von 8% zu erreichen?
Die meisten Erwachsenen benötigen circa 1.000-2.000 mg kombiniertes EPA und DHA täglich, um einen Omega-3-Index von 8% zu erreichen und zu halten. Die individuelle Antwort variiert je nach Genetik, Körpergewicht, Baseline-Omega-3-Status und Ernährungsgewohnheiten. Regelmäßiger fetter Fisch (2-3x pro Woche) kann für manche ausreichen, andere werden supplementieren müssen.
Beweist diese Studie, dass Omega-3 Demenz verhindert?
Nein. Dies ist eine Beobachtungsstudie, die eine starke statistische Assoziation zeigt - keine Kausalität. In Kombination mit präklinischer Forschung, die zeigt, dass Omega-3-Fettsäuren Neurogenese fördern, Neuroinflammation reduzieren und synaptische Funktionen schützen, ist die Assoziation jedoch biologisch plausibel und konsistent mit der breiteren Evidenzbasis.
Ist DHA oder EPA wichtiger für die Hirngesundheit?
Beide sind wichtig. DHA ist die häufigste Omega-3-Fettsäure im Gehirn und essentiell für Membranstruktur und Signalgebung. Allerdings zeigte diese Studie, dass Non-DHA-Omega-3s (einschließlich EPA) eine sogar stärkere protektive Assoziation aufwiesen. EPAs anti-inflammatorische Eigenschaften spielen eine komplementäre neuroprotektive Rolle. Ein ausgewogenes Supplement mit sowohl EPA als auch DHA ist empfehlenswert.
Ich trage die APOE-e4-Genvariante. Kann Omega-3 mir trotzdem helfen?
Laut dieser Studie unterschied sich die protektive Assoziation zwischen höheren Omega-3-Spiegeln und geringerem EOD-Risiko nicht nach APOE-e4-Status. Das legt nahe, dass Omega-3-Optimierung unabhängig vom genetischen Risikoprofil vorteilhaft sein könnte. Wenn du APOE-e4-Träger bist, ist es besonders wichtig, mit einem Arzt an einer umfassenden Präventionsstrategie zu arbeiten.
Ab welchem Alter sollte ich meinen Omega-3-Spiegel optimieren?
Diese Studie schloss Erwachsene von 40-64 Jahren ein. Da neurodegenerative Prozesse jedoch Jahrzehnte vor dem Auftreten von Symptomen beginnen können, ist ein früherer Start potenziell vorteilhaft. Es gibt keine Evidenz für ein "zu früh" bei der Omega-3-Optimierung.
Triglycerid- oder Ethylester-Form - was ist besser?
Die Triglycerid-Form (TG) ist die natürlich vorkommende Molekülstruktur in Fisch. Die Ethylester-Form (EE) ist eine halbsynthetische Variante. Die Forschung zeigt konsistent, dass die Triglycerid-Form eine höhere Bioverfügbarkeit bietet - dein Körper nimmt also mehr EPA und DHA pro Kapsel auf. Für langfristige Supplementierung ist die TG-Form die bessere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen früh einsetzender und spät einsetzender Demenz?
Früh einsetzende Demenz (EOD) wird vor dem 65. Lebensjahr diagnostiziert und betrifft weltweit etwa 370.000 Neuerkrankte pro Jahr. Spät einsetzende Demenz (LOD) tritt nach 65 auf und macht die große Mehrheit aller Demenzfälle aus. EOD ist besonders belastend, da sie Berufsfähigkeit, Familienleben und finanzielle Planungen direkt beeinträchtigt. Diese Studie zeigt erstmals, dass Omega-3-Spiegel auch für das EOD-Risiko relevant sind.
Wo finde ich weitere Omega-3-Forschung auf Deutsch?
Für einen umfassenden Überblick über die neueste Omega-3-Wissenschaft lies unseren Forschungsreview: Omega-3 2025: Neue Studien zeigen beeindruckende Vorteile. Für fortlaufende Longevity-Forschungsanalysen besuche das German Institute for Longevity.
12. Quellen
- Sala-Vila A, Tintle NL, Westra J, Harris WS. Blood omega-3 is inversely related to risk of early-onset dementia. Clinical Nutrition. 2026;57:106559. doi: 10.1016/j.clnu.2025.106559 | PubMed
- OmegaQuant Press Release. "Large-Scale Study Shows Higher Blood Omega-3 Levels Linked to Lower Risk of Early-Onset Dementia." 15. Januar 2026. omegaquant.com
- Harris WS. Recent studies confirm the utility of the omega-3 index. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2025;28(2):91-95. PubMed
- Wei BZ et al. The Relationship of Omega-3 Fatty Acids with Dementia and Cognitive Decline. Am J Clin Nutr. 2023;117(6):1096-1109. PubMed
- Schuchardt JP et al. Omega-3 world map: 2024 update. Prog Lipid Res. 2024;95:101286.
- O'Keefe E et al. Associations Between Plasma Omega-3 and Fish Oil Use With Risk of Atrial Fibrillation in the UK Biobank. J Am Heart Assoc. 2025. doi: 10.1161/JAHA.125.043031.
- Harris WS, Von Schacky C. The Omega-3 Index: a new risk factor for death from coronary heart disease? Prev Med. 2004;39:212-220.
- NutraIngredients. "Higher blood omega-3 levels linked to lower risk of early-onset dementia: Study." 21. Januar 2026. nutraingredients.com
Das könnte dich auch interessieren
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Aufklärung und stellt keine medizinische Beratung dar. Omega-3-Supplementierung kann die Hirngesundheit unterstützen, verhindert, behandelt oder heilt aber keine Krankheit. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du ein neues Supplement-Regime beginnst - insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Alle Aussagen entsprechen den Anforderungen der europäischen Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und der deutschen LMIV.
Verfasst von Ayuba Langer
Gründer, Ayuba Nutrition. Fokus auf evidenzbasierte Supplementierung, Biochemie und radikale Transparenz im deutschen Supplement-Markt.
Zuletzt geprüft: Februar 2026
0 Kommentare