More Nutrition:
fünf Versprechen, fünf Urteile
Europas reichweitenstärkste Diätmarke verkauft Fasten als Methode und Süßstoff als Werkzeug. Wir haben beides gegen die Studienlage gehalten. Und gegen zwei Gerichtsurteile.
Follow the Money: wem More heute gehört
Wer Werbeversprechen einordnen will, sollte wissen, wer daran verdient.
Christian Wolf gründete More Nutrition 2017 mit Michael Weigl. Das Wachstum lief über Social Media, nicht über Handel: kleine, loyale Communitys statt breiter Streuwerbung. Die Marke fusionierte mit ESN zur The Quality Group. 2022 übernahm der Private-Equity-Fonds CVC Capital schrittweise rund 81 Prozent. Für 2025 meldet die Gruppe über eine Milliarde Euro Umsatz.
Wolf verließ 2023 die operative Führung, sein Anteilswert wird auf rund 70 Millionen Euro geschätzt. Er blieb das Gesicht der Marke. Genau diese Trennung ist der entscheidende Punkt: Wolf spricht mit Millionenreichweite, das rechtliche Risiko für Werbeaussagen trägt die Unternehmensgruppe.
Behauptung 01: wirkt Fasten, oder wirkt Protein?
Wolfs Protein Fasten kombiniert ein Achtstunden-Essfenster mit hoher Proteinzufuhr über zwei Mahlzeiten und Shakes. Das Buch dazu erschien im Februar 2025 und stand auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Das Versprechen: Fett runter, Muskeln bleiben, kein Jo-Jo.
Der Effekt ist real. Die Zuschreibung ist falsch: Er kommt vom Protein, nicht vom Fastenfenster.
Eine 2024 vorgestellte Studie zeigte tatsächlich stärkeren Gewichtsverlust als eine kalorienreduzierte mediterrane Vergleichsdiät. Dr. Stefan Kabisch von der Charité ordnete den Effekt jedoch dem hohen Proteinanteil zu, nicht dem Fasten. Prof. Christian Sina nannte die Schlussfolgerung, das Protokoll sei gesünder als eine reduzierte mediterrane Ernährung, wissenschaftlich unzulässig. In derselben Studie stiegen die Entzündungsmarker IL-8 und IL-4, während Blutzucker und Insulin in beiden Gruppen unverändert blieben.
Die Langzeitperspektive kippt die Behauptung endgültig: Die vielzitierte Meta-Analyse von Headland zu Studien über sechs Monate und länger fand keinen einzigen Vorteil des Intervallfastens gegenüber Diäten mit gleichem Kaloriendefizit.
Physiologisch solide ist am Konzept genau ein Teil: Protein sättigt stärker als Kohlenhydrate oder Fett und hat den höchsten thermischen Effekt. Zusammen mit Krafttraining schützt es Muskulatur im Defizit. Nur hängt all das am Protein und am Defizit. Wann gegessen wird, ist zweitrangig.
Behauptung 02: der teuerste Satz im Sortiment
Hier liegt der wissenschaftlich heikelste Punkt des Geschäftsmodells.
More Nutrition wurde groß mit Produkten wie „Chunky Flavour“, die Zucker durch Süßstoffe ersetzen. Der Rechenweg stimmt. Die Schlussfolgerung nicht.
Die Kalorienrechnung stimmt. Der Abnehm-Nutzen ist nicht belegt, und die WHO rät seit 2023 explizit davon ab.
Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte im Mai 2023 eine Leitlinie, die genau davon abrät: nicht-nutritive Süßstoffe zur langfristigen Gewichtskontrolle einzusetzen. Begründung: kein belegter Langzeitnutzen für das Körpergewicht, dafür Hinweise auf ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Süßstoffe zeigen keinen langfristigen Erfolg bei der Gewichtsabnahme. SINNGEMÄSS · WHO-LEITLINIE ZU NICHT-NUTRITIVEN SÜSSSTOFFEN, MAI 2023
Die Evidenz ist differenziert, nicht pauschal. Kurzfristige randomisierte Studien zeigen teils Vorteile beim Kalorientausch. Eine RCT von Romo-Romo (2018) fand jedoch, dass Sucralose die Insulinsensitivität bei gesunden Probanden senken kann. Eine Kohortenauswertung von Deb (2023) mit über 105.000 Teilnehmern verband höheren Süßstoffkonsum mit erhöhtem Diabetesrisiko. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fasste 2023 zusammen: Die Mehrheit der Studien zeige keine klare Gesundheitsbeeinträchtigung, die Datenlage sei aber unzureichend für eine abschließende Bewertung.
Süßstoffe sind kein Gift, aber auch kein belegtes Abnehm-Werkzeug. Wer sie punktuell als Zuckerersatz nutzt, macht wenig falsch. Wer sie als Diätstrategie verkauft, geht über die Evidenz hinaus.
Behauptungen 03 bis 05: drei kürzere Fälle
Unzulässiger Health Claim. Steht nicht auf der EU-Liste nach Verordnung 432/2012.
Foodwatch beanstandete das Video im November 2023. Das Landgericht Schleswig-Holstein gab der Klage im September 2024 statt. More Nutrition darf mit dieser Aussage nicht mehr werben.
Weniger als was? Ohne Vergleichsmaßstab wertete das Gericht die Zahlen als irreführend.
Nach Klage der Verbraucherzentrale NRW untersagte das Landgericht Hamburg diese Werbung im Februar 2024.
Eigenangabe ohne offengelegte Methodik. Weder belegbar noch widerlegbar.
Die Zahl stammt aus Wolfs eigener Profilbeschreibung als „Deutschlands Nr. 1 Creator für Fettverlust“. Eine unabhängige Erhebung oder eine Definition davon, was als „geholfen“ zählt, liegt öffentlich nicht vor. Wir bewerten sie deshalb nicht, sondern kennzeichnen sie als das, was sie ist: Marketing.
Aktenlage: was Gerichte entschieden haben
Die folgenden Verfahren betreffen konkrete Werbeaussagen, nicht die gesamte Produktpalette. Zusammen ergeben sie ein Muster: Nicht die Produkte wurden beanstandet, sondern das, was über sie behauptet wurde.
Wurde More Nutrition gerichtlich gestoppt? Ja, in zwei Verfahren. Landgericht Hamburg, Februar 2024, und Landgericht Schleswig-Holstein, September 2024. Zuvor hatte bereits der vzbv erfolgreich abgemahnt.
Der SPIEGEL widmete dem Spannungsfeld im Mai 2025 eine Recherche unter dem Titel „Diät-Guru mit beschränkter Haftung“. Sie beschreibt dasselbe Muster, das auch aus der Aktenlage hervorgeht: Kundenvertrauen auf der einen Seite, regulatorische Grenzen auf der anderen.
Bilanz: drei Ebenen, sauber getrennt
Wer More Nutrition fair bewerten will, verwechselt diese drei Dinge nicht miteinander.
Funktioniert nachweislich
Eine der reichweitenstärksten Lebensmittelmarken auf Instagram, über eine Milliarde Euro Konzernumsatz. Daran gibt es nichts zu deuteln.
Gemischt
Plausibel beim Protein. Überzeichnet beim Fastenfenster und bei Süßstoffen als Abnehm-Hebel. Das ist die Ebene, die für dich zählt.
Wiederholt korrigiert
Zwei Gerichtsentscheidungen und zwei Abmahnungen zu konkreten Health Claims innerhalb von zwei Jahren.
Trenne den Wirkmechanismus von der Marketingverpackung. Der Mechanismus ist Kaloriendefizit plus Protein plus Krafttraining. Die Verpackung ist das Fastenfenster und das Light-Produkt als vermeintlicher Extra-Hebel. Wenn du das trennst, brauchst du weder die Methode noch eine bestimmte Marke. Nur die Grundlagen.
Für uns bei Ayuba ist das kein Grund zur Überheblichkeit. Auch wir formulieren Wirkversprechen und müssen uns an denselben Maßstäben messen lassen. Unser Prinzip: keine Proprietary Blends, jede Dosierung pro Kapsel offengelegt. Prüf uns daran.
Häufige Fragen
Teilweise. Unabhängige Wissenschaftler schreiben den Effekt überwiegend dem hohen Proteinanteil zu, nicht dem Fastenfenster. Langzeitstudien über sechs Monate und länger finden keinen Vorteil des Intervallfastens gegenüber anderen Diäten mit gleichem Kaloriendefizit.
Ja, in zwei Verfahren. Das Landgericht Hamburg untersagte im Februar 2024 eine Backmischungs-Werbung ohne Vergleichsbezug. Im September 2024 untersagte das Landgericht Schleswig-Holstein nach Foodwatch-Klage weitere Gesundheitsversprechen. Zuvor hatte der vzbv bereits erfolgreich abgemahnt.
Die WHO rät seit Mai 2023 von nicht-nutritiven Süßstoffen zur langfristigen Gewichtskontrolle ab, da kein belegter Langzeitnutzen vorliegt. Als punktueller Zuckerersatz sind sie unproblematisch. Als eigenständige Diätstrategie gehen sie über die Evidenz hinaus.
Nein. Er verließ die operative Führung 2023 nach dem Teilverkauf an CVC Capital, bleibt aber das öffentliche Gesicht der Marke.
Nach aktueller Studienlage drei Dinge in dieser Reihenfolge: ein moderates Kaloriendefizit, ausreichend Protein (etwa 1,6 bis 2,2 g pro Kilogramm Körpergewicht) und Krafttraining zum Muskelerhalt. Das Zeitfenster, in dem gegessen wird, spielt eine untergeordnete Rolle.
Was nach diesem Text übrig bleibt
Abgeleitet aus Kapitel 02, nicht aus einer Methode. Volle Deklaration, keine Proprietary Blends.
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- FOODWATCHGericht verbietet irreführende Werbung von More Nutrition, Urteil 09/2024
- FOODWATCHAbmahnung wegen Cycle Balance und Süßstoff-Aussagen, 11/2023
- FITBOOKVerbraucherschützer und LG Hamburg gegen More Nutrition
- WHOGuideline: Use of non-sugar sweeteners, Mai 2023
- BFRStellungnahme Nr. 004/2023 zu Süßungsmitteln
- SCIENCE MEDIA CENTEREinfluss von Intervallfasten auf Mikrobiom und Gewicht
- SPIEGELDiät-Guru mit beschränkter Haftung, Recherche 05/2025
- FORBESZwischen Fitness-Influencer und Milliardenunternehmen
- CAMPUS AProteinfasten im Check, 08/2025
Dieser Beitrag dient der journalistischen Einordnung öffentlich verfügbarer Informationen und ist keine medizinische Beratung. Aussagen zu Dritten sind den genannten Quellen zugeordnet und geben nicht zwangsläufig die Position von Ayuba Nutrition wieder. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich an eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Ayuba Nutrition und More Nutrition stehen in einem Wettbewerbsverhältnis.
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