GlyNAC: Warum Glycin + NAC der vielversprechendste Longevity-Stack 2026 ist

17 Min. Lesezeit
Frau in Baumhaltung auf einer Yogamatte in einem sonnigen Altbauzimmer mit Pflanzen

 

 

TL;DR - DAS WICHTIGSTE IN 30 SEKUNDEN

GlyNAC - die Kombination aus Glycin und N-Acetylcystein (NAC) - ist ein viel diskutierter Kandidat in der Longevity-Forschung. In einer kleinen randomisierten, placebokontrollierten Studie am Baylor College of Medicine (Kumar et al., 2023) mit 24 älteren Erwachsenen berichteten die Autoren nach 16 Wochen Verbesserungen bei Glutathion, oxidativem Stress, Mitochondrienfunktion, Insulinresistenz und mehreren Hallmarks of Aging (laut den Autoren 7 von 9). Eine größere Dosisstudie mit 114 gesunden Älteren (Lizzo et al., 2022) fand dagegen im Gesamtkollektiv keinen Anstieg des Glutathions. Das Fazit: GlyNAC zählt zu den spannendsten Longevity-Ansätzen, weil es an einem einzigen Hebel, dem Glutathion, gleich mehrere Alterungsmarker bewegt hat. Jetzt braucht es größere, unabhängige Studien.

7/9

Hallmarks of Aging laut Autoren verbessert (kleine RCT)

24%

längere Lebensspanne bei Mäusen (Tierstudie)

24

Ältere Teilnehmende im Placebo-RCT (je 12 GlyNAC und Placebo)

16

Wochen Studiendauer (RCT)

AL

Geschrieben von Ayuba Langer

Gründer, Ayuba Nutrition | Zuletzt geprüft: März 2026 | Lesezeit: ca. 17 Minuten

Definition

Was ist GlyNAC?

GlyNAC ist die Kombination aus den Aminosäuren Glycin und N-Acetylcystein (NAC). Beide sind Vorstufen von Glutathion (GSH), dem wichtigsten intrazellulären Antioxidans des menschlichen Körpers. Glycin und Cystein (aus NAC) gelten als die beiden limitierenden Bausteine der körpereigenen Glutathion-Synthese. In den Baylor-Studien stiegen die Glutathion-Spiegel älterer Erwachsener unter GlyNAC deutlich an.

Kurz beantwortet

GlyNAC ist die Kombination aus Glycin und N-Acetylcystein (NAC), zwei Bausteinen des körpereigenen Antioxidans Glutathion. Ein kleines placebokontrolliertes Baylor-RCT (24 Ältere) berichtete Verbesserungen bei Biomarkern wie oxidativem Stress und Insulinresistenz, eine größere Dosisstudie (114 Ältere) erreichte ihr Glutathion-Ziel nicht. Damit ist GlyNAC einer der interessantesten Forschungskandidaten für gesundes Altern. NAC ist in Deutschland ein Arzneimittel.


1. Warum GlyNAC in der Longevity-Forschung so viel Aufmerksamkeit bekommt

Im Bereich der Longevity-Forschung gibt es nur wenige Interventionen, für die in Studien Effekte auf mehrere Alterungs-Biomarker berichtet werden. GlyNAC ist eine davon. Der Ansatz: Es setzt bei Glutathion an, einem zentralen Schutzsystem der Zelle. Wie andere Kandidaten wie NMN oder Taurin abschneiden, zeigt unser Überblick über Longevity-Supplements.

Die Forschungsgruppe um Dr. Rajagopal Sekhar am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, untersucht seit Jahren, warum Zellen im Alter ihre Schutzfunktionen verlieren. Ihre Hypothese: Ältere Erwachsene haben niedrigere Glutathion-Spiegel, weil Glycin und Cystein als Rohstoffe nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

Daraus entstand GlyNAC, eine einfache Kombination der beiden Bausteine. In einer Tierstudie lebten Mäuse mit GlyNAC im Futter 24 Prozent länger als Kontrolltiere (Kumar et al., 2022). Beim Menschen gibt es bisher nur kleine Studien: Die Baylor-Gruppe berichtete in einer Pilotstudie und einem kleinen RCT Verbesserungen bei Biomarkern. Ob sich das in mehr gesunde Lebensjahre übersetzt, sollen größere Langzeitstudien zeigen.


2. Die Biochemie: Warum Glycin und NAC zusammen wirken

Um zu verstehen, warum GlyNAC erforscht wird, hilft ein Blick auf Glutathion. Glutathion (gamma-Glutamylcysteinylglycin) ist ein Tripeptid - aufgebaut aus drei Aminosäuren: Glutamat, Cystein und Glycin. Es ist das häufigste intrazelluläre Antioxidans im menschlichen Körper und ist unter anderem am Schutz vor oxidativem Stress, an Entgiftungsreaktionen und an der Immunfunktion beteiligt. Ein Teil dieser Schutzarbeit läuft über die Glutathionperoxidasen, Enzyme, die das Spurenelement Selen enthalten.

Warum nicht einfach Glutathion direkt einnehmen?

Manche Supplements enthalten Glutathion direkt. Die Aufnahme von oral eingenommenem Glutathion gilt als begrenzt, weil es im Verdauungstrakt zum Teil abgebaut wird; Studien dazu sind nicht einheitlich. Zellen stellen ihr Glutathion zudem selbst her. Ein Mangel steht mit oxidativem Stress in Verbindung. Für die Arbeit der Glutathion-Peroxidase braucht der Körper außerdem Selen, das dazu beiträgt, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen (mehr im Selen-Artikel).

Der Ansatz von GlyNAC ist deshalb clever: Es liefert die Rohstoffe und überlässt der Zelle die Produktion, so wie sie es von Natur aus tut.

Warum beide Vorstufen nötig sind

NAC allein ist ein bekanntes Supplement - als Cystein-Lieferant. Aber die Glutathion-Synthese benötigt auch Glycin. Und genau hier liegt ein häufig übersehener Engpass: Studien der Baylor-Gruppe berichten, dass ältere Erwachsene niedrigere Glycin- und Cystein-Spiegel haben, was die Glutathion-Produktion an zwei Stellen bremsen kann. Wer nur einen Baustein auffüllt, löst nach diesem Modell nur die Hälfte des Problems.

In einer kleinen frühen Studie der Sekhar-Gruppe (Sekhar et al., 2011) verbesserte die Gabe von Cystein und Glycin über zwei Wochen die Glutathion-Syntheserate älterer Erwachsener. Auf diesem Ergebnis bauen alle späteren GlyNAC-Studien auf.

Die Glutathion-Synthese - vereinfacht

Glycin

Aminosäure 1

+

NAC

Cystein-Lieferant

+

Glutamat

reichlich vorhanden

=

Glutathion

Master-Antioxidans

Glycin und Cystein sind die limitierenden Faktoren. Glutamat ist in der Regel ausreichend vorhanden.


3. Hallmarks of Aging: Was das Baylor-RCT berichtet

Die sogenannten „Hallmarks of Aging“ sind neun biologische Prozesse, die als fundamentale Treiber des Alterns identifiziert wurden. Das Konzept stammt aus dem Jahr 2013 und wurde 2023 auf zwölf Hallmarks erweitert (Überblick über die 12 Hallmarks of Aging). Ob ein Eingriff in einzelne Hallmarks gesundes Altern fördert, ist offen.

Die randomisierte klinische Studie von Kumar et al. (2023), veröffentlicht im Journal of Gerontology: Medical Sciences, schloss 24 ältere Erwachsene ein (je 12 mit GlyNAC oder Placebo) und 12 junge. Nach 16 Wochen berichteten die Autoren Verbesserungen bei sieben der neun Hallmarks. Gemessen wurden dafür ausgewählte Biomarker, keine Gesundheitsendpunkte:

Die 9 Hallmarks of Aging - Ergebnisse laut den Studienautoren

  1. Verbessert Mitochondriale Dysfunktion - mitochondriale Fettsäureoxidation verbessert
  2. Verbessert Veränderte interzelluläre Kommunikation - Marker für oxidativen Stress und Entzündung verbessert
  3. Verbessert Genomische Instabilität - Marker für DNA-Schäden verbessert
  4. Verbessert Zelluläre Seneszenz - Seneszenzmarker verbessert
  5. Verbessert Stammzellerschöpfung - ein Muskelstammzellmarker verbessert
  6. Verbessert Nährstoffsensorik - Marker der Signalwege AMPK und mTOR verbessert
  7. Verbessert Verlust der Proteostase - Autophagie-Marker verbessert (mehr zu Autophagie)
  8. Nicht getestet Telomerverkürzung - In der Studie nicht als primärer Endpunkt erfasst
  9. Nicht getestet Epigenetische Veränderungen - Erfordert spezifische Methylierungsanalysen

Die Autoren deuten die gleichzeitigen Veränderungen als systemischen Effekt der wiederhergestellten Glutathion-Spiegel. Das ist eine Interpretation: Die Studie war klein, wurde von der Forschungsgruppe selbst durchgeführt und ist unseres Wissens noch nicht unabhängig wiederholt worden.


4. Drei Bereiche, in denen das RCT Effekte berichtet

Säule 1: Oxidativer Stress und mitochondriale Funktion

Mitochondrien liefern den größten Teil der Zellenergie. Im Alter nimmt ihre Effizienz ab: Sie produzieren weniger ATP und mehr reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die wiederum die Mitochondrien selbst schädigen können. Ein Teufelskreis.

Glutathion gehört zu den wichtigsten Schutzsystemen der Mitochondrien gegen diesen oxidativen Schaden. Im Baylor-RCT hatten die älteren Teilnehmenden vor der Intervention höhere Marker für oxidativen Stress als die jungen. Nach 16 Wochen GlyNAC lagen diese Marker laut den Autoren deutlich niedriger (mehr zu oxidativem Stress).

Gleichzeitig berichteten die Autoren eine verbesserte mitochondriale Fettsäureoxidation sowie Veränderungen bei Regulatoren der Mitochondrienbildung und der Mitophagie. Andere Ansätze zur Mitochondrienfunktion, etwa Coenzym Q10, sind in einem eigenen Artikel eingeordnet.

Für Athleten relevant:

Die Studien liefen mit älteren Erwachsenen. Für junge, trainierende Menschen stehen Studien noch aus. Bei Kraft und Leistung im Schnellkrafttraining ist Kreatin der am besten untersuchte Baustein.

Säule 2: Insulinresistenz und metabolische Gesundheit

Insulinresistenz gilt als Risikofaktor für Stoffwechselerkrankungen und wird mit dem Altern in Verbindung gebracht. Im Baylor-RCT berichteten die Autoren eine verbesserte Insulinresistenz (gemessen über den HOMA-IR) sowie einen geringeren Bauchumfang und systolischen Blutdruck. In der GlyNAC-Gruppe mit zwölf Personen bewegten sich damit drei Stoffwechselwerte gemeinsam in die gewünschte Richtung. Ein vielversprechender Pilotbefund. Wer Auffälligkeiten bei Blutzucker oder Blutdruck hat, gehört in ärztliche Betreuung, nicht zu einem Supplement.

Säule 3: Physische Performance und Muskelerhalt

Auch die körperliche Funktion wurde gemessen. Nach 16 Wochen GlyNAC berichteten die Autoren bei den älteren Teilnehmenden Verbesserungen bei:

  • Ganggeschwindigkeit - ein etablierter Prädiktor für Überlebenswahrscheinlichkeit bei älteren Erwachsenen
  • Griffstärke - Marker für Gesamtmuskelkraft und funktionale Kapazität
  • Obere und untere Extremitätenstärke - relevant für Sturzprävention
  • 6-Minuten-Gehtest - Indikator für aerobe Kapazität und Ausdauer
  • Körperzusammensetzung - weniger Körperfett und geringerer Bauchumfang

5. Die wichtigsten Studien im Detail

Die GlyNAC-Forschung ist noch jung und die Studien sind klein. Hier die wichtigsten Humanstudien in chronologischer Reihenfolge:

Studie Design Teilnehmer Dauer Kernergebnis
Kumar et al. (2021)
Clin Transl Med
Offene Pilotstudie (ohne Placebo) 8 ältere + 8 junge Erwachsene 24 Wochen + 12 Wochen Entzug Verbesserungen bei GSH, oxidativem Stress, Kognitionstests und Kraft berichtet. Nach 12 Wochen Absetzen gingen die Vorteile zurück.
Kumar et al. (2023)
J Gerontol A
Randomisiertes, placebokontrolliertes RCT (Placebo: Alanin) 24 ältere (12 GlyNAC, 12 Placebo) + 12 junge Erwachsene 16 Wochen Laut Autoren Verbesserungen bei GSH, oxidativem Stress, Mitochondrienfunktion, Insulinresistenz, Entzündung und Funktion; 7 von 9 Hallmarks.
Lizzo et al. (2022)
Front Aging
RCT (3 Dosierungen vs. Placebo) 114 gesunde Ältere (Ø 65 Jahre) 2 Wochen Sicher und gut verträglich, aber der primäre Endpunkt (Gesamt-Glutathion) wurde nicht erreicht. Anstieg nur in einer Post-hoc-Untergruppe mit hohem oxidativem Stress und niedrigem GSH-Ausgangswert.

Ältere Teilnehmende je Humanstudie

  • Lizzo et al. 2022 (Dosisstudie, 2 Wochen)114
  • Kumar et al. 2023 (RCT, 16 Wochen)24
  • Kumar et al. 2021 (Pilotstudie, 24 Wochen)8

Ohne junge Vergleichsgruppen. Die einzige größere Studie erreichte ihr Glutathion-Ziel nicht. Quelle: Kumar et al. 2021 und 2023, Lizzo et al. 2022 (siehe Quellen).

Wichtige Einordnung zur Evidenzlage

Die bisherigen Studien sind vielversprechend, aber in ihrem Umfang noch begrenzt. Das placebokontrollierte Baylor-RCT umfasste 24 ältere Erwachsene, davon 12 mit GlyNAC. Die größere Dosisstudie (114 Personen, von Nestlé-Mitarbeitenden durchgeführt) erreichte ihr Glutathion-Ziel nicht; bei Nestlé Health Science bestehen laut Interessenkonflikt-Angabe Patente und Produkte zu Glycin und NAC. Für eine definitive Aussage braucht es größere, unabhängige Studien mit längerer Nachbeobachtung. Die Ergebnisse sind ermutigend genug für weitere Forschung. Unser Anspruch bei AYUBA: Wir nennen Studien so, wie sie sind, und verkaufen keine Versprechen.

Ein aufschlussreiches Detail: In der Pilotstudie von 2021 wurde GlyNAC nach 24 Wochen für 12 Wochen abgesetzt, und die Verbesserungen gingen laut den Autoren zurück. Ob daraus eine dauerhafte Einnahme folgt, ist offen. Die Studie war klein und ohne Placebogruppe.

Pilotstudie 2021: Einnahme und Absetzen

  1. Start8 ältere und 8 junge Erwachsene, keine Placebogruppe
  2. Woche 1–⁠24GlyNAC-Einnahme; die Autoren berichten Verbesserungen bei Glutathion, oxidativem Stress, Kognitionstests und Kraft
  3. Woche 25–⁠3612 Wochen ohne GlyNAC; die Verbesserungen gingen laut den Autoren zurück

6. GlyNAC-Dosierung: Was in den Studien verwendet wurde

Hier steht, welche Mengen die Studien eingesetzt haben. Es sind Studienprotokolle, keine Dosierungsanleitung.

Studienprotokolle

In den Baylor-Studien wurde GlyNAC gewichtsabhängig und über 16 bis 24 Wochen gegeben. Die Mengen liegen im Gramm-Bereich pro Tag und damit deutlich über dem, was bei Aminosäure-Supplements üblich ist. Die genauen Protokolle stehen in den Originalpublikationen.

Die Dosisstudie von Lizzo et al. (2022) testete drei Dosierungen im Verhältnis 1:1 über zwei Wochen: 2,4 g, 4,8 g und 7,2 g pro Tag. Der primäre Endpunkt, der Anstieg des Gesamt-Glutathions, wurde nicht erreicht. Nur in einer Post-hoc-Untergruppe (hoher oxidativer Stress, niedriges Ausgangs-Glutathion) stieg das Glutathion unter der mittleren und hohen Dosis.

Studie Dosierung Ergebnis
Lizzo et al. 2022 2,4 / 4,8 / 7,2 g pro Tag (Glycin:NAC 1:1), 2 Wochen Primärer Endpunkt nicht erreicht; Anstieg nur in einer Post-hoc-Untergruppe (4,8 und 7,2 g)
Kumar et al. 2021, 2023 Gewichtsabhängig, 16 bis 24 Wochen (siehe Originalpublikationen) Verbesserungen von Biomarkern laut Autoren; kleine Studien

Einordnung statt Empfehlung

Für GlyNAC gibt es keine etablierte Tagesdosis, die Studienmengen liegen im Gramm-Bereich. Wichtig: NAC ist in Deutschland ein Arzneimittel und kein zugelassenes Nahrungsergänzungsmittel. Wer GlyNAC erwägt, sollte das vorher mit Arzt oder Apotheke besprechen.

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7. Sicherheit, Verträglichkeit und Kombinationen

Sicherheitsprofil

Die bisherigen kleinen Studien beschrieben GlyNAC als gut verträglich. Die längste Studie lief 24 Wochen; Daten über längere Zeiträume sollen folgende Studien liefern. Bei NAC sind unter anderem Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden beschrieben.

Glycin kennt der Körper gut. Er stellt die nicht-essenzielle Aminosäure selbst her, und sie steckt in proteinreichen Lebensmitteln, besonders reichlich in Gelatine und Kollagen: Rund jede dritte Aminosäure im Kollagen ist Glycin. Eine einfache Quelle für den Alltag sind AYUBA Collagen Peptides als Pulver für Shake, Kaffee oder Joghurt. Wie Kollagen im Vergleich zu MSM abschneidet, liest du im Artikel MSM vs. Kollagen.

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NAC (N-Acetylcystein) wird in der Medizin seit Jahrzehnten eingesetzt, unter anderem als Gegenmittel bei Paracetamol-Überdosierung und als Schleimlöser. In Deutschland ist NAC ein Arzneimittel; die Einnahme sollte ärztlich abgesprochen werden.

Wichtige Einschränkungen

Bitte beachten

  • Asthma: NAC kann bei einigen Asthmatikern Bronchospasmen auslösen. Bei Asthma immer ärztliche Rücksprache vor der Einnahme.
  • Blutverdünner: Für NAC werden leichte gerinnungshemmende Eigenschaften beschrieben. Bei Einnahme von Blutverdünnern (Warfarin, Heparin) ärztliche Absprache erforderlich.
  • Chemotherapie: Antioxidantien können theoretisch die Wirkung bestimmter Chemotherapeutika beeinflussen. Während einer Krebsbehandlung ausschließlich nach ärztlicher Freigabe supplementieren.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Unzureichende Daten. Einnahme nur nach ärztlicher Empfehlung.

Kombination mit anderen Supplements

Zu Kombinationen von GlyNAC mit Omega-3, Kreatin, Vitamin D oder L-Tryptophan gibt es unseres Wissens keine Studien. Für NAC zusammen mit Vitamin D liegt eine kleine Studie vor, die wir im Artikel zu Vitamin D und NAC einordnen. Wer mehrere Präparate kombinieren will, sollte das mit Arzt oder Apotheke klären.


8. Was GlyNAC kann - und was nicht

GlyNAC ist ein Forschungskandidat, kein fertiges Anti-Aging-Mittel. Eine nüchterne Aufstellung:

Was die Studien berichten

  • Glutathion-Spiegel bei älteren Teilnehmenden anheben (Baylor-Studien; nicht in allen Studien)
  • Marker für oxidativen Stress senken
  • Mitochondriale Fettsäureoxidation verbessern
  • Insulinresistenz-Marker verbessern
  • Entzündungsmarker senken
  • Gehgeschwindigkeit und Griffkraft verbessern (kleine Studie)
  • Ergebnisse in Kognitionstests verbessern (kleine Pilotstudie)

Was GlyNAC nicht kann

  • Das Altern stoppen oder umkehren (nicht belegt)
  • Krankheiten behandeln (dafür ist es weder geprüft noch zugelassen)
  • Eine gesunde Ernährung und Bewegung ersetzen
  • Alzheimer oder Demenz verhindern (unbewiesen)
  • Bei bereits gefüllten Glutathion-Speichern zusätzlichen Nutzen bringen
  • Kurzfristig wirken (gemessen wurde nach 2 bis 24 Wochen)

9. Fazit

GlyNAC ist ein interessanter Kandidat in der Longevity-Forschung. Die Idee ist einfach: Glycin und Cystein sollen als Bausteine für Glutathion bereitstehen.

Die Datenlage ist ermutigend. Ein kleines placebokontrolliertes RCT berichtet Verbesserungen von Biomarkern, darunter 7 von 9 Hallmarks. Eine Tierstudie fand eine verlängerte Lebensspanne bei Mäusen. Eine größere Dosisstudie erreichte ihr Glutathion-Ziel nicht.

Gleichzeitig muss man ehrlich bleiben: Die Studien sind klein, die längste Humanstudie lief 24 Wochen, und unabhängige Bestätigung fehlt. GlyNAC ist kein bewiesenes Anti-Aging-Mittel, sondern ein Forschungskandidat mit früher klinischer Evidenz.

Wer sich für zelluläre Gesundheit interessiert, sollte GlyNAC beobachten, aber nicht auf Basis dieser Studien selbst experimentieren. NAC ist in Deutschland ein Arzneimittel.

Wir verfolgen die GlyNAC-Forschung und aktualisieren diesen Artikel, wenn größere Studien erscheinen. Was nach heutigem Stand die Basis für eine lange Gesundheitsspanne bildet, fasst unser Longevity Blueprint zusammen.

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Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Aufklärung und stellt keine medizinische Beratung dar. GlyNAC ist kein zugelassenes Arzneimittel und wird hier nicht zur Diagnose oder Behandlung von Krankheiten empfohlen; NAC selbst ist in Deutschland als Arzneimittel eingestuft. Bei bestehenden Erkrankungen, insbesondere Asthma, Blutgerinnungsstörungen oder Krebserkrankungen, sowie bei Medikamenteneinnahme, konsultiere bitte deinen Arzt, bevor du GlyNAC oder andere Supplements einnimmst.

10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau ist GlyNAC?

GlyNAC ist die Kombination aus zwei Aminosäuren: Glycin und N-Acetylcystein (NAC). Beide sind Vorstufen von Glutathion, dem wichtigsten intrazellulären Antioxidans. Die Idee: Beide liefern Bausteine, aus denen der Körper sein eigenes Glutathion herstellt. Ob das im Alter den Glutathion-Spiegel verlässlich anhebt, zeigen die bisherigen Studien nicht einheitlich.

Warum nicht einfach Glutathion direkt einnehmen?

Die Aufnahme von oral eingenommenem Glutathion gilt als begrenzt, die Studienlage ist uneinheitlich. GlyNAC liefert stattdessen die Bausteine, aus denen die Zelle ihr Glutathion selbst herstellt. Ein direkter Vergleich beider Wege beim Menschen steht noch aus.

Wie viel GlyNAC wurde in Studien verwendet?

Die Baylor-Studien nutzten gewichtsabhängige Protokolle über 16 bis 24 Wochen, die Dosisstudie von Lizzo et al. 2,4, 4,8 und 7,2 g pro Tag über zwei Wochen (1:1). Das sind Studienprotokolle. NAC ist in Deutschland ein Arzneimittel; sprich eine Einnahme mit Arzt oder Apotheke ab.

Gibt es Studien zu GlyNAC mit Kreatin oder Omega-⁠3?

Bisher gibt es dazu keine veröffentlichten Studien. Kreatin und Omega-3 sind für sich genommen gut untersucht. Wer mehrere Präparate nimmt, sollte das mit Arzt oder Apotheke besprechen.

Für wen wurden die Studien gemacht?

Die Studien liefen mit älteren Erwachsenen, in der Dosisstudie lag der Altersdurchschnitt bei 65 Jahren; nur ein kleines Kontrollkollektiv war jung. Für gesunde jüngere Erwachsene gibt es keine Daten, die einen Nutzen belegen.

Ist GlyNAC sicher?

In den kleinen bisherigen Studien wurde GlyNAC als gut verträglich beschrieben. Zur Langzeitsicherheit gibt es keine Daten. Vorsicht ist geboten bei Asthma (NAC kann Bronchospasmen auslösen), bei Blutverdünnern und während einer Krebsbehandlung. In diesen Fällen vorher ärztlichen Rat einholen.

Wie schnell wirkt GlyNAC?

In den Studien wurden Biomarker nach zwei Wochen (Dosisstudie, ohne Gesamtanstieg) und nach 16 bis 24 Wochen (Baylor-Studien) gemessen. Ein spürbarer Effekt ist daraus nicht abzuleiten.

Reicht es, nur NAC zu nehmen?

Die Baylor-Gruppe argumentiert, dass neben Cystein auch Glycin limitierend ist. Ein direkter Vergleich von GlyNAC mit NAC allein beim Menschen ist uns nicht bekannt, deshalb lässt sich die Frage nicht belegen.


11. Quellen

  1. Kumar P, Liu C, Suliburk J, Hsu JW, Muthupillai R, Jahoor F, Minard CG, Taffet GE, Sekhar RV. Supplementing Glycine and N-Acetylcysteine (GlyNAC) in Older Adults Improves Glutathione Deficiency, Oxidative Stress, Mitochondrial Dysfunction, Inflammation, Physical Function, and Aging Hallmarks: A Randomized Clinical Trial. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2023;78(1):75-⁠89. PubMed
  2. Kumar P, Liu C, Hsu JW, Chacko S, Minard C, Jahoor F, Sekhar RV. Glycine and N-acetylcysteine (GlyNAC) supplementation in older adults improves glutathione deficiency, oxidative stress, mitochondrial dysfunction, inflammation, insulin resistance, endothelial dysfunction, genotoxicity, muscle strength, and cognition: Results of a pilot clinical trial. Clin Transl Med. 2021;11(3):e372. PubMed
  3. Kumar P, Osahon OW, Sekhar RV. GlyNAC (Glycine and N-Acetylcysteine) Supplementation in Old Mice Improves Brain Glutathione Deficiency, Oxidative Stress, Glucose Uptake, Mitochondrial Dysfunction, Genomic Damage, Inflammation and Neurotrophic Factors to Reverse Age-Associated Cognitive Decline. Antioxidants. 2023;12(5):1042. PubMed
  4. Lizzo G, Migliavacca E, Lamers D, et al. A Randomized Controlled Clinical Trial in Healthy Older Adults to Determine Efficacy of Glycine and N-Acetylcysteine Supplementation on Glutathione Redox Status and Oxidative Damage. Front Aging. 2022;3:852569. PubMed
  5. Sekhar RV, Patel SG, Guthikonda AP, et al. Deficient synthesis of glutathione underlies oxidative stress in aging and can be corrected by dietary cysteine and glycine supplementation. Am J Clin Nutr. 2011;94(3):847-⁠853. PubMed
  6. Kumar P, Osahon OW, Sekhar RV. GlyNAC (Glycine and N-Acetylcysteine) Supplementation in Mice Increases Length of Life by Correcting Glutathione Deficiency, Oxidative Stress, Mitochondrial Dysfunction, Abnormalities in Mitophagy and Nutrient Sensing, and Genomic Damage. Nutrients. 2022;14(5):1114. PubMed
  7. Lopez-Otin C, Blasco MA, Partridge L, Serrano M, Kroemer G. Hallmarks of aging: An expanding universe. Cell. 2023;186(2):243-⁠278. PubMed

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