Fünf Rezeptoren ohne Humanstudie, vier mit Phase 2
VRX-0075 und Bioglutide starten beide bei Retatrutids Rückgrat und biegen dann in entgegengesetzte Richtungen ab. Der eine sammelt Sättigungssignale, der andere schützt Muskelmasse. Nur einer von beiden war jemals in einem Menschen.
GLP-4informelles Label
Bioglutide
NA-931 · Biomed Industries
GLP-5informelles Label
VRX-0075
Abstract 2839-LB · ADA 2026
Abschnitte
In der Peptid-Community zirkulieren seit Monaten zwei Zahlen, die wie eine Rangfolge aussehen. „GLP-4“ steht für Bioglutide, einen oralen Vierfach-Agonisten von Biomed Industries. „GLP-5“ steht für VRX-0075, einen injizierbaren Fünffach-Agonisten aus einem ADA-Poster. Fünf klingt nach mehr als vier, also klingt VRX-0075 nach dem stärkeren Kandidaten.
Die Zahlen zählen Rezeptoren. Sie sagen nichts darüber, ob ein Molekül jemals einen Menschen erreicht hat. Bioglutide hat eine abgeschlossene Phase-2-Studie mit 125 Teilnehmenden. VRX-0075 hat Ratten. Diese Distanz ist der eigentliche Unterschied zwischen den beiden.
Interessanter als die Rangfolge ist aber, dass beide Moleküle dasselbe Drei-Rezeptor-Rückgrat verwenden und dann in gegensätzliche Richtungen abbiegen. Bioglutide addiert einen anabolen Signalweg, um Muskelmasse zu halten. VRX-0075 addiert zwei Sättigungswege, um mehr Gewicht zu verlieren. Sie konkurrieren nicht um dasselbe Ziel.
Kurzantwort
Der geteilte Kern und die Abzweigung
Retatrutid hat mit GLP-1, GIP und Glukagon eine Kombination etabliert, die in Phase 3 nach 80 Wochen 28,3 Prozent Gewichtsreduktion erreichte. Diese drei Rezeptoren sind das gemeinsame Fundament beider Nachfolger. Erst ab dem vierten Ziel trennen sich die Wege.
Damit ist die Rangfolge nach Rezeptor-Anzahl schon vom Ansatz her irreführend. Bioglutide versucht, den bekannten Nebeneffekt der Wirkstoffklasse zu reparieren. VRX-0075 versucht, die Hauptwirkung zu steigern. Ein Vergleich braucht also zwei Achsen, nicht eine.
Der Evidenz-Split
Die folgende Darstellung trägt sieben Dimensionen von einer Mittelachse aus nach außen ab. Links Bioglutide, rechts VRX-0075. Je länger der Balken, desto besser steht der Wirkstoff in dieser Dimension. Die Werte sind eine redaktionelle Einordnung auf einer Skala von 0 bis 5, keine berechneten Kennzahlen.
Tabelle horizontal scrollbar
| Dimension | Bioglutide (GLP-4) | VRX-0075 (GLP-5) |
|---|---|---|
| Entwickler | Biomed Industries, San Jose | Autorengruppe um Douros und Knerr, Lilly-gefördert |
| Substanzklasse | Widersprüchlich beschrieben: Peptid im Studienregister, kleines Molekül in Unternehmensmitteilungen | Langwirksames Peptid |
| Registrierte Studien | NCT06615700 (Phase 1), NCT06564753 (Phase 2), NCT06732245 (Kombination, geplant) | Keine |
| Teilnehmende | 74 in Phase 1, 125 in Phase 2 | Keine Menschen |
| Studiendauer | 28 Tage (Phase 1), 13 Wochen (Phase 2) | Nicht anwendbar |
| Berichtete Wirkung | 13,8 % Gewichtsverlust bei 150 mg; 72 % erreichten mindestens 12 % gegenüber etwa 2 % unter Placebo | Mehr Gewichtsverlust als Retatrutid bei gleicher molarer Dosis in adipösen Ratten |
| Verträglichkeit | Sponsorbericht: 83 % der gastrointestinalen Ereignisse unerheblich, milde Nausea 7,3 %, Diarrhoe 6,3 % | Keine auffälligen Toxikologiebefunde im nicht-regulatorischen Setting, keine Humandaten |
| Datenquelle | Unternehmensmitteilungen, Vorträge bei ADA, ENDO und EASD 2025 | Late-Breaking-Abstract 2839-LB, ADA 2026 |
| Größte Unsicherheit | Unabhängige Replikation und die nicht offengelegte Molekülidentität | Alles zur Anwendung am Menschen |
| Zulassung | Keine | Keine |
Bioglutide im Detail
Bioglutide ist der einzige der beiden Kandidaten mit einer Studiennummer, unter der Menschen behandelt wurden. Die Phase-1-Studie NCT06615700 prüfte aufsteigende Dosen bis 150 mg täglich über 28 Tage an 74 übergewichtigen Erwachsenen. Die Phase-2-Studie NCT06564753 lief 13 Wochen, randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert, mit 125 Erwachsenen ab BMI 30 oder ab BMI 27 mit Begleiterkrankung.
Der Hersteller berichtet als besten Wert 13,8 Prozent Gewichtsverlust unter 150 mg täglich, einen placebobereinigten Unterschied von 12,4 Prozentpunkten und den Befund, dass 72 Prozent der behandelten Teilnehmenden mindestens 12 Prozent verloren, gegenüber etwa 2 Prozent unter Placebo. Zusätzlich berichtet Biomed Industries, dass kein Muskelverlust beobachtet wurde, und führt das auf die IGF-1-Komponente zurück.
Warum eine orale Tablette schwerer wiegt als ein Prozentpunkt
13,8 Prozent nach 13 Wochen lassen sich nicht direkt mit 28,3 Prozent nach 80 Wochen vergleichen. Kürzere Studien liefern kleinere Zahlen, weil die Kurve noch steigt. Der interessantere Punkt liegt in der Darreichungsform. Eine tägliche Tablette ohne Nüchternheitsvorgabe senkt die Einstiegshürde gegenüber einer wöchentlichen Injektion deutlich, und Adhärenz entscheidet in der Praxis darüber, wie viel Wirkung überhaupt ankommt.
Die drei offenen Punkte
Bioglutide trägt drei Transparenzprobleme, die in Unternehmensmitteilungen nicht auftauchen.
- Keine begutachtete Publikation. Alle Wirksamkeitszahlen stammen aus Vorträgen bei ADA, ENDO und EASD 2025 und aus Pressemitteilungen des Unternehmens. Eine peer-reviewte Veröffentlichung mit vollständigen Methoden, Konfidenzintervallen und Abbruchraten liegt nicht vor.
- Die Molekülidentität ist nicht offengelegt. Biomed Industries hat die chemische Struktur nie publiziert. In der Community existiert eine Patentanalyse, die auf cyclisches Glycin-Prolin hindeutet, und die Vermutung, dass der Alzheimer-Kandidat NA-831 desselben Unternehmens dasselbe Molekül ist. Das Unternehmen hat diese Zuordnung weder bestätigt noch dementiert. Der ausführliche Bioglutide-Artikel arbeitet diese Analyse und ihre Grenzen im Detail auf.
- Die eigenen Materialien widersprechen sich. Der Eintrag in ClinicalTrials.gov beschreibt NA-931 als Peptid. Die Pressemitteilungen des Unternehmens beschreiben es als oral verfügbares kleines Molekül. Peptid und kleines Molekül sind keine austauschbaren Kategorien. Für einen Wirkstoff, dessen Struktur nicht publiziert ist, ist dieser Widerspruch keine Formalie.
Einordnung
Diese Punkte machen Bioglutide nicht unwirksam. Sie bedeuten, dass die berichteten Zahlen den Status von Herstellerangaben haben und bis zu einer unabhängigen Publikation auch so gelesen werden sollten. Sponsorberichtete Topline-Daten fallen in späteren Vollpublikationen regelmäßig etwas niedriger aus.
VRX-0075 im Detail
VRX-0075 kommt aus der Gegenrichtung. Es existiert ein Late-Breaking-Abstract der ADA-Jahrestagung 2026 mit der Kennung 2839-LB. Darin berichtet die Autorengruppe, dass das Molekül in vitro eine mit Retatrutid vergleichbare Potenz an GLP-1-, GIP- und Glukagonrezeptor erreicht und eine mit Cagrilintid vergleichbare Potenz an Amylin- und Calcitoninrezeptor. In adipösen Ratten erzeugte es bei gleicher molarer Dosis mehr Gewichtsverlust als Retatrutid, bei einer etwa 50 Prozent längeren Halbwertszeit als Semaglutid.
Diese Datenlage ist für ein präklinisches Molekül gut dokumentiert. Sie enthält eine belegte Rezeptor-Charakterisierung, einen Wirksamkeitsvergleich mit dem stärksten bekannten Wirkstoff der Klasse und einen ersten Sicherheitsbefund. Was sie nicht enthält, ist ein Mensch.
Wo die Amylin-Achse ihre eigene Rechnung aufmacht
Amylin verlangsamt die Magenentleerung und löst Sättigungssignale in der Area postrema aus. Dieser Pfad verläuft unabhängig von GLP-1, weshalb er sich addieren lässt. Genau daraus entsteht aber das Risiko: GLP-1 verlangsamt die Magenentleerung bereits, und Amylin legt einen zweiten Mechanismus mit derselben Richtung darauf. Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl sind die naheliegenden Folgen, und keine Ratte berichtet Übelkeit.
Warum Tierdaten hier besonders wenig sagen
Bei Retatrutid brachen unter der 12-mg-Dosis 11,3 Prozent der Teilnehmenden wegen Nebenwirkungen ab, gegenüber 4,1 Prozent bei 4 mg. Die wirksame Dosis und die verträgliche Dosis fallen in dieser Wirkstoffklasse auseinander, und dieser Abstand entscheidet über den klinischen Nutzen. Ein Rattenmodell kann ihn nicht messen.
Für die Einordnung von VRX-0075 gegenüber Retatrutid und den zugelassenen Wirkstoffen gibt es eine ausführliche Analyse im Direktvergleich VRX-0075 gegen Retatrutid, inklusive der vollständigen TRIUMPH-1-Zahlen und der Evidenzleiter aller vier Multi-Agonisten.
Die IGF-1-Frage: derselbe Hebel, zwei Vorzeichen
Bioglutides gesamtes Alleinstellungsmerkmal hängt an einem Signalweg. Wer diesen Signalweg ernst nimmt, muss auch die Gegenseite ernst nehmen, und genau das fehlt in der Kommunikation rund um GLP-4 fast vollständig.
IGF-1 zirkuliert im Blut überwiegend gebunden. Rund 75 bis 90 Prozent hängen an IGFBP-3, dem wichtigsten Bindungsprotein. Gebundenes IGF-1 wirkt nicht. Wer den Anteil freien IGF-1 erhöht, erhöht das anabole Signal an der Muskelzelle. Das ist der Mechanismus, auf den Bioglutide zielt, und mechanistisch ist er plausibel.
In der Onkologie wird derselbe Parameter als Risikofaktor behandelt. IGFBP-3 gilt dort als schützend, weil es die mitogene, also zellteilungsfördernde Wirkung von IGF-1 begrenzt. Menschen mit Akromegalie, bei denen dauerhaft zu viel Wachstumshormon und IGF-1 zirkuliert, zeigen erhöhte Raten kardiovaskulärer und neoplastischer Komplikationen. Eine prospektive Längsschnittstudie an 598 Betroffenen fand einen Zusammenhang zwischen kumulativer IGF-1-Belastung und Krebshäufigkeit.
Der Hebel, mit dem Bioglutide Muskeln schützen soll, ist derselbe, den die Krebsforschung als Risikofaktor untersucht.
Diese Gegenüberstellung ist keine Warnung vor Bioglutide und kein Beleg für einen Schaden. Akromegalie bedeutet eine jahrzehntelange, pathologische Überhöhung, keine moderate therapeutische Anhebung. Die Assoziationen aus Beobachtungsstudien sind zudem meist moderat. Der Punkt ist ein anderer: Ein Wirkstoff, der bewusst die Bremse an einem mitogenen Signalweg lockert, braucht Langzeit-Sicherheitsdaten, bevor irgendjemand von einem gelösten Problem sprechen kann. Eine 13-wöchige Studie an 125 Personen kann diese Frage nicht beantworten.
Was das für den Vergleich bedeutet
VRX-0075 hat dieses Problem nicht, weil es die IGF-1-Achse nicht berührt. Es hat dafür ein anderes: eine unbekannte gastrointestinale Verträglichkeit bei zwei addierten Sättigungsmechanismen. Beide Kandidaten kaufen ihren Vorteil mit einer offenen Sicherheitsfrage. Bei beiden ist die Frage unbeantwortet.
Zeitachse: wer ist wie weit
Die Entwicklungspfade beider Wirkstoffe auf derselben Zeitachse machen den Abstand sichtbar, den die Rezeptor-Zählung verdeckt.
Eine Phase-3-Studie in dieser Indikation dauert typischerweise 68 bis 80 Wochen, dazu kommen Rekrutierung, Auswertung und Zulassungsverfahren. Selbst für Bioglutide, den weiter fortgeschrittenen Kandidaten, liegt eine europäische Zulassung damit Jahre entfernt. Für VRX-0075 beginnt die Rechnung erst mit einer Phase 1, die noch nicht angekündigt ist.
Was heute zählt
Beide Wirkstoffe sind nicht verfügbar, und beide werden es in diesem Jahrzehnt vermutlich nicht in einer deutschen Apotheke sein. Was aus dem Vergleich bleibt, ist eine brauchbare Erkenntnis: Der eine Kandidat investiert seinen vierten Rezeptor in Muskelerhalt, weil Muskelverlust im Defizit das ungelöste Problem der gesamten Wirkstoffklasse ist.
Dieses Problem lässt sich ohne jeden Wirkstoff angehen. Bei zugelassenen GLP-1-Therapien bestehen etwa 25 Prozent des verlorenen Gewichts aus fettfreier Masse, derselbe Anteil wie bei Gewichtsverlust durch Kalorienrestriktion allein. Die drei Faktoren, die diesen Anteil verschieben, sind bekannt und brauchen kein Rezept: Proteinaufnahme, progressiver Krafttrainingsreiz und ein moderates statt maximales Defizit.
Bei geringem Appetit kollidiert die Proteinzufuhr mit der Praxis. Feste Proteinquellen sättigen stark und lassen sich schlecht unterbringen. Flüssige Quellen passieren den Magen schneller und brauchen weniger Volumen, was bei verlangsamter Magenentleerung den Unterschied macht.
Nutrition Stack · Proteindichte
Protein unterbringen, wenn der Appetit fehlt
Der zweite Hebel ist die Trainingsleistung. Sie gibt im Defizit als erstes nach, und mit ihr das mechanische Signal, das dem Körper mitteilt, Muskelgewebe zu erhalten. Kreatinmonohydrat wirkt genau dort: Es erhöht die Phosphokreatin-Speicher und verbessert die ATP-Wiederaufladung in kurzen, intensiven Belastungen.
Der dritte Hebel ist die Mikronährstoffversorgung. Sie skaliert mit der Nahrungsmenge, nicht mit dem Bedarf. Wer die Energieaufnahme halbiert, halbiert tendenziell die Zufuhr an Magnesium, Eisen, Zink und den fettlöslichen Vitaminen, während der Bedarf gleich bleibt.
Nutrition Stack · Leistung und Grundversorgung
Trainingsreiz und Versorgung im Defizit halten
Bei Supplements zählen Qualität, Reinheit, Dosierung, Transparenz und konsequente Anwendung. Ayuba Nutrition steht für diesen Ansatz: Supplements als Bausteine in einem größeren Performance-System, nicht als Ersatz für Ernährung, Training und Schlaf. Abnehmspritzen und Forschungspeptide gehören nicht zum Sortiment.
Häufige Fragen
Was ist besser, GLP-4 oder GLP-5?
Nach Evidenzlage liegt Bioglutide vorn, weil es berichtete Phase-1- und Phase-2-Daten aus registrierten Humanstudien hat, während VRX-0075 nur Rattendaten vorweist. Nach Wirkstärke lässt sich die Frage nicht beantworten, weil für VRX-0075 kein Humanwert existiert. Beide sind nicht zugelassen und beide verfolgen unterschiedliche Ziele.
Sind GLP-4 und GLP-5 offizielle Bezeichnungen?
Nein. Beide sind informelle Community-Labels, die die Anzahl der adressierten Rezeptoren zählen. Rezeptoren mit den Namen GLP-4 oder GLP-5 existieren nicht. Etabliert sind GLP-1 und GLP-2 als biologische Bezeichnungen. In Studienregistern und Zulassungsunterlagen tauchen GLP-3, GLP-4 und GLP-5 nicht auf.
Welche Rezeptoren adressieren die beiden Wirkstoffe?
Bioglutide adressiert vier: IGF-1, GLP-1, GIP und Glukagon. VRX-0075 adressiert fünf: GLP-1, GIP, Glukagon, Amylin und Calcitonin. Die gemeinsamen drei sind GLP-1, GIP und Glukagon, also Retatrutids Kombination. Amylin und Calcitonin gehören biologisch zusammen, weil der Amylinrezeptor aus dem Calcitoninrezeptor und einem RAMP-Protein entsteht.
Schützt Bioglutide wirklich die Muskelmasse?
Der Hersteller berichtet, dass in der Phase-2-Studie kein Muskelverlust beobachtet wurde, und führt das auf die IGF-1-Komponente zurück. Diese Angabe stammt aus Unternehmensmitteilungen und Kongressvorträgen, nicht aus einer begutachteten Publikation mit offengelegter Messmethodik. Ob DXA gemessen wurde und wie fettfreie Masse definiert war, ist öffentlich nicht nachvollziehbar. Mechanistisch ist der Ansatz plausibel, belegt ist er nicht.
Ist ein höheres freies IGF-1 gefährlich?
IGFBP-3 bindet 75 bis 90 Prozent des zirkulierenden IGF-1 und begrenzt damit dessen zellteilungsfördernde Wirkung. Bei Akromegalie, also dauerhaft pathologisch erhöhtem IGF-1, treten häufiger kardiovaskuläre und neoplastische Komplikationen auf. Eine moderate therapeutische Anhebung ist damit nicht gleichzusetzen, und die Assoziationen aus Beobachtungsstudien sind meist moderat. Belastbare Langzeitdaten für einen Wirkstoff, der diesen Pfad gezielt anhebt, fehlen.
Warum ist Bioglutides Molekülstruktur ein Thema?
Biomed Industries hat die chemische Struktur von NA-931 nicht publiziert. Zusätzlich beschreiben die eigenen Materialien den Wirkstoff widersprüchlich: als Peptid im Studienregister und als kleines Molekül in Unternehmensmitteilungen. Ohne offengelegte Struktur lässt sich weder der behauptete Mechanismus unabhängig prüfen noch ein am Graumarkt verkauftes Produkt auf Identität kontrollieren.
Kann man einen der beiden Wirkstoffe kaufen?
Legal nicht. Beide sind nicht zugelassene Prüfsubstanzen, für die es außerhalb klinischer Studien keinen zulässigen Anwendungsweg gibt. Angebote von Research-Peptide-Händlern belegen weder Identität noch Reinheit noch Dosierung der verkauften Substanz. Bei einem Wirkstoff mit nicht publizierter Struktur ist eine Identitätsprüfung praktisch unmöglich.
Wann könnte einer der beiden zugelassen werden?
Für Bioglutide ist eine Phase 3 angekündigt, aber nicht gestartet. Phase-3-Studien in dieser Indikation laufen typischerweise 68 bis 80 Wochen, zuzüglich Rekrutierung, Auswertung und Zulassungsverfahren. Für VRX-0075 ist nicht einmal eine Phase 1 registriert. Konkrete Jahreszahlen wären in beiden Fällen Spekulation.
Ist eine Tablette einer Injektion überlegen?
Für die Adhärenz ist die orale Form ein realer Vorteil, weil sie die Einstiegshürde senkt und keine Injektionstechnik erfordert. Für die Wirkstärke sagt die Darreichungsform nichts aus. Bei oralen Wirkstoffen sind Bioverfügbarkeit und Schwankungen zwischen Personen die kritischen Größen, und für NA-931 sind beide öffentlich nicht dokumentiert.
Was bringt mir dieser Vergleich praktisch?
Vor allem eine Lesehilfe für kommende Meldungen: Prüfe zuerst die Evidenzstufe, dann die Datenquelle, dann die Rezeptor-Anzahl. Praktisch umsetzbar ist heute nur der Teil, den Bioglutide pharmakologisch adressieren will: Muskelerhalt im Defizit über ausreichend Protein, progressives Krafttraining und ein moderates Defizit.
Quellen
- ClinicalTrials.gov. Phase 2 Trials of NA-931 to Study Subjects Who Are Obese With at Least One Weight-related Comorbid Condition, NCT06564753. U.S. National Library of Medicine. Quelle für Studiendesign, Dauer, Einschlusskriterien und die Beschreibung von NA-931 als Peptid.
- ClinicalTrials.gov. NCT06615700 (Phase 1, NA-931) und NCT06732245 (NA-931 in Kombination mit Tirzepatid, Status nicht rekrutierend, geplanter Start 15. August 2026, Sponsor Biomed Industries).
- Biomed Industries, Inc. Pressemitteilungen zu den Phase-2-Ergebnissen von NA-931, vorgestellt bei ADA 2025 (Juni 2025, Chicago), ENDO 2025 (Juli 2025, San Francisco) und EASD 2025 (September 2025, Wien). Quelle für 13,8 Prozent Gewichtsverlust, 12,4 Prozentpunkte placebobereinigt, 72 Prozent Responder, Nebenwirkungsraten und die Angabe zum Muskelerhalt. Titel der Präsentation: NA-931, a Novel Quadruple IGF-1, GLP-1, GIP, and Glucagon Receptor Agonist Reduces Body Weight Without Muscle Loss. Sponsorberichtete Konferenzdaten ohne peer-reviewte Publikation. Dieselben Mitteilungen beschreiben NA-931 als oral verfügbares kleines Molekül.
- Douros J, Mowery S, Kalwat M, Dodson S, Shrinivasan R, Knerr PJ. Abstract 2839-LB: A Long-Acting Quintuple Agonist for the GLP-1, GIP, Glucagon, Amylin, and Calcitonin Receptors Induces Greater Weight Loss than Retatrutide in Obese Rats. ADA 86th Scientific Sessions, Juni 2026. Late-Breaking-Abstract, nicht peer-reviewed publiziert. Quelle für Targets, In-vitro-Potenz, Halbwertszeit und Rattendaten. Die Autorengruppe gibt Forschungsförderung durch Eli Lilly an.
- Eli Lilly and Company. TRIUMPH-1 Topline-Ergebnisse zu Retatrutid, Pressemitteilung vom 21. Mai 2026 (NCT05929066, n=2.339). Quelle für 28,3 Prozent nach 80 Wochen im Efficacy-Estimand sowie für die Abbruchraten von 4,1 / 6,9 / 11,3 Prozent unter 4, 9 und 12 mg.
- Look M, et al. Body composition changes during weight reduction with tirzepatide in the SURMOUNT-1 study of adults with obesity or overweight. Diabetes Obes Metab 2025. DOI 10.1111/dom.16275. DXA-Substudie, n=160. Quelle für die Aufteilung von etwa 75 Prozent Fettmasse zu 25 Prozent fettfreier Masse am Gesamtverlust.
- Freda PU, Bruce JN, Jin Z, et al. Prospektive Längsschnittstudie zu Krebsprädiktoren und Krebsraten in einer New Yorker Kohorte von 598 Personen mit Akromegalie. Quelle für den Zusammenhang zwischen kumulativer IGF-1-Belastung und Krebshäufigkeit.
- Renehan AG, et al. Insulin-like growth factor (IGF)-I, IGF binding protein-3, and cancer risk: systematic review and meta-regression analysis. Lancet 2004. Grundlage für die Einordnung, dass die Assoziation zwischen IGF-1 beziehungsweise IGFBP-3 und häufigen Krebsarten moderat positiv ausfällt.
- Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. IGF-1 and Risk of Morbidity and Mortality From Cancer, Cardiovascular Diseases, and All Causes in EPIC-Heidelberg, 2023. Quelle für die Einordnung, dass Personen mit erhöhter GH/IGF-1-Signalgebung, etwa bei Akromegalie, erhöhte Raten kardiovaskulärer und neoplastischer Komplikationen zeigen.
- Journal of Clinical Research in Pediatric Endocrinology. Combined Evaluation of IGF-1 and IGFBP-3 as an Index of Efficacy and Safety in Growth Hormone Treated Patients. Quelle für den Anteil von IGF-1, der an IGFBP-3 gebunden ist, und für die begrenzende Funktion von IGFBP-3 gegenüber der mitogenen Wirkung von IGF-1.
Medizinischer Hinweis. Dieser Artikel dient der Information und der Einordnung der Studienlage. Er ersetzt keine medizinische Beratung und enthält bewusst keine Dosierungen, Protokolle oder Bezugsquellen für die beschriebenen Prüfsubstanzen. Bei Erkrankungen, Medikamenten oder Beschwerden hole ärztlichen Rat ein. Bioglutide (NA-931) und VRX-0075 sind nicht zugelassene Prüfsubstanzen. Ayuba Nutrition vertreibt keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel und keine Forschungspeptide.
Nahrungsergänzungsmittel. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern lagern.
Stand: 29. Juli 2026. Alle Angaben zu Studienstatus und Zulassung beziehen sich auf dieses Datum und können sich ändern. Angaben, die als sponsorberichtet gekennzeichnet sind, stammen aus Unternehmensmitteilungen und Kongresspräsentationen ohne unabhängige Begutachtung.
0 Kommentare